Keine Angst vor der neuen Donau

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Keine Angst vor der neuen Donau | story.one

Ich kannte die Neue Donau bislang nur von Spaziergängen. Für mich waren Leute, die in dieses Gewässer steigen, eine Mischung aus Freaks und Leuten, die sich an der Freizügigkeit von FKKlern, die man aus Spira-Dokumentationen kennt und die dann Oktober bis März in Pattaya verbringen, ergötzen möchten- FPÖ Wähler quasi. Und noch dazu die Tiere: da waren sicherlich furchtbar glitschige und aggressive Fische im Wasser, und zudem auch noch Müll, der von den Leuten kommt, die neben dem Wasser grillen und ihren Mist dann im Wasser entsorgen.

Und dennoch war ich neugierig- zwar ist die Wassertemperatur im Monat Mai höchstens 15-20 Grad, jedoch war für mich das Thema Kälte bislang meine Neuentdeckung des Jahres. Wöchentlich machte ich Eisbäder mit Temperaturen um 0 Grad, folglich wären 15 bis 20 für mich erst recht interessant und gar nicht so herausfordernd. Und immer wieder nervte ich Nina mit meinem inneren Zwiespalt: irgendwie hatte ich Schiss vor der Tierwelt und andererseits reizte mich das Gewässer- alleine schon der Gedanke, es sich letzten Endes doch getraut zu haben spornte mich an. Langsam abtastend schrieb ich vor einer Woche in eine Gruppe mit jahrelangen „Kaltwasserexperten“ meine Bedenken, und erhielt dabei Antworten wie: „Ich hatte in meinen 33 Jahren noch nie Kontakt mit einem Fisch oder einem anderen Tier in der neuen Donau.“ „Die einzige Gefahr kommt von Schwänen, die dich beim Meditieren stören könnten.“ Dies löste Zweifel in mir aus- könnte es vielleicht am Ende sein, dass doch ich mit meinen Vorstellungen falsch lag?

Nina schlug mir vor, es herauszufinden: wir würden mit dem Leihrad auf die Donauinsel fahren, und dann während sie ihr Training absolviert hätte ich genug Zeit, um in der Sonne zu liegen und mir zu überlegen ob ich mich traue oder nicht- sie wäre dann in einer Stunde wieder zurück. Ich startete diese Stunde mit Sonnen und Musik. Bis mir dann irgendwann der Gedanke kam: „du bist jetzt 10 Meter weg vom Steg- bring den Scheiss endlich hinter dich- die Erfahrung kann dir nachher keiner mehr wegnehmen.“

Langsam stand ich von der Wiese auf, setzte mich hin und ließ meine Füße ins Wasser hängen. Die Temperatur schreckte mich nicht ab- viel mehr, dass ich nicht auf den Grund sehen konnte. Dies nährte meine Befürchtungen zwecks Fischen etc: jedoch hatte ich auch die Stimmen aus der Gruppe im Hintergrund. Mein innerer Konflikt dauerte in etwa noch fünf Minuten, in denen ich auf der Leiter saß. Ich brauchte mich nur selbst abstoßen und wäre drin, und um diese Erfahrung reicher.

„Es gibt kaum etwas, das du dich im Leben getraut und später bereut hast“- fuhr es mir durch meinen Kopf- und in dem Moment beobachtete ich mich dabei, wie ich mit ganzem Körper im kühlen Nass war. Und ich habe es nicht bereut! Es war schlichtweg ein durchwegs tolles und stolzes Gefühl. Ich schwamm sicherlich 15 min am Stück. Und ich muss zugeben: Tiere hab ich dabei keine getroffen- und der Müll war wohl nur ein harmloses Monster unter meinem Bett.

© Manuel Schirnhofer