Das innere Kind

Als ich 10 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern. Es hatte ernste Folgen für mich. Mein Herz war gebrochen. Ich als Papa-Kind war nun getrennt von ihm und konnte meinen Helden nur noch einmal im Monat sehen. Kummer, Zerrissenheit, Seelenschmerz, Tränen.

Der Tag des Umzugs war furchtbar. Ich konnte nicht aufhören zu weinen. Meine Tante holte mich von der Schule ab. Die Augen zugeschwollen. Niemand nahm mich in den Arm und tröstete mich. Die wichtigsten Bezugspersonen waren nicht da. Ich war alleine. Einsam. Was kommt da auf mich zu? Kann mir denn niemand helfen? Was geht hier vor sich? Wo komme ich hin? Verliere ich ab jetzt alle Menschen, die ich liebe? Und viele weitere Fragen standen offen. Verwirrung. Trauer.

Heute bin ich älter, sehe vieles aus einem anderen Blickwinkel. Ich verstehe mehr, forsche nach. Die Zeit heilte diese Wunden, oder durch die Zeit konnte ich einen Großteil verdrängen. Aber ein Rest dieses Kummers schlummert weiterhin in mir. Verlustangst, Zweifel, fehlender Selbstwert…

Heutzutage weiß ich, wie ich damit umgehen kann. Achtsamkeit ist für mich der Schlüssel. Das reflektierende Schreiben, was JETZT ist, und das Fühlen der Blockaden und Ängste, lösen den Knoten.

Manchmal schreit mein inneres Kind um Hilfe, Annahme und Liebe. Verdrängen ist keine Lösung. Es würde alles gleich bleiben oder nur noch verschlimmern.

Also, was tun?

Frieden schließen mit der Vergangenheit, durch Innenschau und Reflexion.

In einem stillen Moment ganz für mich alleine, setze ich mich hin. Ich befinde mich in einem geschützten Raum. Diesen Augenblick widme ich ganz und gar meinem inneren Kind. Ich begebe mich auf eine Reise in mein Herz. Spüre was da ist. Lasse die Gefühle zu. Ich bitte mein kleines, früheres Ich um ein Treffen. Der Raum in meinem Brustkorb wird weit. Und schon sehe ich dieses liebevolle Mädchen. Ich gehe auf sie zu. Sie hatte mich bereits erwartet und schmiegte sich in meine offenen Arme. Bei diesem Gespräch teilte mir Mini-Me mit, dass es einfach nur eine starke Person an ihrer Seite braucht, die Verständnis hat, für ihre Schwierigkeiten. Sie würde so gerne gesehen werden und ihren Bedürfnissen nachgehen dürfen. Mein erwachsenes Ich gab ihr das Versprechen, ab jetzt für sie da zu sein. Sie braucht nun keine Angst mehr zu haben, ich stehe ab diesem Zeitpunkt an ihrer Seite und begleite sie. Wir verabschiedetet uns in dem Vertrauen, dass wir ab heute ein Team sind.

Als ich meine Augen wieder öffnete, nahm ich Frieden, Liebe, Selbstwert und Selbstsicherheit wahr.

Ich bin vollkommen.

Ich bin wertvoll.

Ich bin liebevoll.

Ich bin verständnisvoll.

Ich bin stark.

Ich bin.

Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Entweder bleiben wir weiterhin in der Opferrolle stecken, oder wir stehen für uns auf, erwachen, wachsen und lernen aus unserer Lebensgeschichte.

Was will dir dein inneres Kind sagen? Was würde deinem inneren Kind guttun?

© Manuela Sieberer