Der süße Unfall hat einen Namen

Nach einem Abgang in der 10. Schwangerschaftswoche wurde mein Kinderwunsch immer größer. Allerdings wollte mein Partner, der damals schon eine 11-jährige Tochter hatte, keine weiteren Kinder. Durch gesundheitliche Probleme mit Verhütungsmittel konnte ich eine Weile keine Hormone zu mir nehmen und wollte meinen natürlichen Zyklus kennenlernen und erfahren. Unsere Beziehung stand kurz vor dem Aus, da wir extrem verschiedene Vorstellungen unserer Zukunft hatten. Jedoch brachten wir es nicht übers Herz uns zu trennen.

Und so beschlossen wir, dass wir die Zweisamkeit noch gemeinsam genießen, auf lange Reisen und Abenteuer gehen, da wir im JETZT ein geniales Team waren. Die nächste Reise war in der Planungsphase, die Route stand fest. Wie es das Leben so wollte, wurde dieses Vorhaben schnell durchkreuzt. Schwangerschaftstest positiv.

Es war wie eine Wucht. Kaum hatte ich den innigen Wunsch Mama zu werden losgelassen und gelernt darauf zu vertrauen, dass alles gut ist, wie es jetzt ist, wurde dieser wahr. Aber ich hatte jetzt doch andere Pläne. Auf der einen Seite freute ich mich sehr über diese Neuigkeit, aber auf der anderen Seite wollte ich eben noch reisen. „Das kann alles nicht wahr sein. In welchem schrägen Film befinde ich mich hier?“, so meine ersten Gedanken. Es dauerte zwei Wochen, bis ich mich wieder umgestellt hatte und so gut es eben möglich war, mit dem Vorhaben des Lebens Frieden zu schließen.

Die ersten vier Monate waren von Übelkeit geprägt. Als das vorüber war, hatte ich eine Bilderbuch-Schwangerschaft. Bis zur Entbindung blieb ich sportlich, fit und liebte es, meinen kleinen Kugelbauch zu präsentieren. Die tränenreichen Gefühls-Chaos-Tage hielten sich in Grenzen. Ich spürte zum ersten Mal in meinem Leben, dass mein Körper nicht leer war, sondern erfüllt. Noch nie zuvor nahm ich meinen Leib von innen wahr.

Jetzt, auch ohne Mitbewohner in meinem Bauch, weiß ich, dass ich mehr bin als meine optische Gestalt. Ich fühle mich, auch wenn ich alleine bin, vollkommen.

Danke - meiner einzigartigen Tochter, du kleine Wölfin.

Danke - an das Leben, das immer wieder seinen eigenen Plan hat.

Danke - meinem Partner, der ein wundervoller Vater, Mann und Partner ist.

Danke - den unvorhersehbaren Fügungen.

Danke - diesem wunderbaren „Unfall“.

Was hat das alles für uns als Paar zu bedeuten? Vielleicht ist die Kleine unsere Beziehungsretterin. Würden wir heute noch liiert sein, wenn sie nicht hier wäre? Ich weiß es nicht. Unsere Liebe ist stark und durch die gemeinsamen Erfahrungen darf sie sich immer weiter entfalten. Jede Schwierigkeit bis jetzt hat uns wachsen lassen - als Individuum, als Duo. Ich liebe dich. Ich liebe mich. Ich liebe uns.

© Manuela Sieberer