Schrei der Seele

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Schrei der Seele | story.one

Kennst du das, wenn du dir zu viel aufbürdest und immer weiter machst, ohne Pause, ohne Regeneration? Es folgt ein tiefer Fall. Breitet sich auf den Körper aus. Aus deinem Herzen schrillt ein lautes "STOP!" - ich kenne das nur zu gut.

Ich bin ein zielgerichteter Mensch und weiß, was ich will. "Und dort will ich so schnell wie möglich ankommen, alles andere ist verschwendete Zeit", dachte ich. Und nebenbei wäre es noch gut, den anderen alles recht zu machen. Ich hab's versucht. Ich hab alles gegeben. Und bin gescheitert. Ich lag flach, zu nichts mehr fähig. Mein Körper eine leere Hülle - chronisch krank. Angst und Panikattaken standen an der Tagesordnung.

Soll das das Leben sein, von dem ich immer geträumt habe? Ich suchte Hilfe an mehreren Stellen. Jeder hatte eine andere Meinung und wollte mir mit den Tipps nur Gutes, aber vieles war einfach nicht stimmig für mich. Ich fühlte mich so verloren und niemand konnte mich richtig verstehen. Verstand ich mich denn selbst? Zu diesem Moment nicht.

Durch die ständigen Panikattaken lernte ich meine Ängste bewusst wahrzunehmen. Weiterhin dagegen anzukämpfen kostete mich zu viel Kraft und es änderte nichts. Ich beobachtete in Meditationen, wie es sich anfühlt wenn sie hochkommen, ließ sie groß werden und merkte schnell, dass sie sich mit dieser Annahme im nächsten Moment auflösen.

Dann wurde mir klar, dass ich mich wieder zu sehr im Außen verstrickt hatte. Äußere Ziele, wie mehr Geld zu verdienen, mir ein Business aufzubauen um mir dann meine Träume zu verwirklichen, meinen neuen Brotjob in Anstellung auf die Reihe zu bekommen, andere Menschen glücklich zu machen usw. hatten höhere Priorität als meine wirklichen tiefen Bedürfnisse. Ich hatte mich an die zweite Stelle verdonnert und musste nun mit den Konsequenzen leben lernen oder gravierend etwas ändern.

Aufgeben entspricht nicht meinem Wesen und erkannte die Lösung in meiner Aufgabe - den Schrei meiner Seele hören. Ihm folgen, vertrauen. Es ist so einfach und gleichzeitig so schwierig zu verstehen. Ja, der Verstand kann es nicht begreifen. Es spielt sich auf einer tieferen Ebene ab. Ich lasse meine Zerbrechlichkeit und Sensibilität, zeige Gefühle und Emotionen. Und allem voran, gehe ich in meinem Tempo. Ich muss niemanden irgendwas beweisen, mich anpassen um gemocht zu werden. Ich darf mein eigenes Ding rocken in meiner Einzigartigkeit. Jeden Tag mehr und mehr. Meine Grenzen, meine Standarts, mein Leben. Verantwortung übernehmen und mich für meine Werte einsetzen, das bedeutet für mich das Jahr 2019.

Es wird leichter. Ich bin mitten drin. Das ist meine einzige Option. Ich liebe es. Dankbar für die "schlechten" Zeiten, wissend, dass alles Sinn ergibt, gehe ich Schritt für Schritt weiter. Es ist bedeutungslos, wann ich bei meinen äußeren Zielen ankomme, in meiner authentischen Geschwindigkeit, mit meiner "unikaten" Art und Weise, in meiner vollen Kraft und Größe - solange ich meiner Seele folge.

© Manuela Sieberer 29.08.2019