Sommerurlaub von einst

In den Fünfzigerjahren wurde es modern, auf Urlaub zu fahren.

Auch meine Eltern beschlossen, mit uns Kindern nach Italien zu fahren. Sie buchten eine Busreise über den Gewerkschaftsbund nach Riccione in Mittelitalien.

Noch in der Steiermark, auf einer kurvenreichen Strecke, Autobahn gab es da noch nicht, wurde meinem siebenjährigen Bruder plötzlich übel. Geistesgegenwärtig zog meine Mutter ihren Schuh aus und er , käsebleich, spie hinein. Nun stank es so richtig nach Erbrochenem im Bus. Keine Freude für die Reisenden. Der Chauffeur schaute nach der nächstbesten Gelegenheit aus, wo es eine Waschmöglichkeit gab. Im nächsten Ort mit offenem Brunnen blieb er stehen, öffnete beide Türen, damit der Bus gelüftet wird. Meine Mutter stieg mit meinem Bruder aus, der konnte sich waschen und sie säuberte ihren Schuh. Danach konnte die Reise ohne besondere Zwischenfälle fort gesetzt werden.

Bei unserem Hotel in Riccione angekommen, ging unsere Mutter gleich mit uns zum Strand. Mein Vater legte sich im Hotel hin, weil ihm die lange Fahrt zugesetzt hatte.

Wir Kinder sahen zum ersten Mal das Meer und staunten, wie riesig es war und wie die Wellen sich am Strand schlugen. Und schauten, wie endlos der Strand war, ein Liegestuhl neben dem anderen.

Meine Mutter half mir, die Badehose anzuziehen, und als sie sich umdrehte, war mein Bruder verschwunden. Sie packte mich an der Hand, damit ich nicht auch noch verloren ginge und suchte den Strand ab. Weit und breit nichts von meinem Bruder zu sehen. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an den Bademeister, sie befürchtete mein Bruder könnte ertrunken sein. Aber der Bademeister rief:"Wasser nicht gefährlich!" handelte es sich doch um einen flachen Sandstrand. Bange Minuten vergingen, da kam ein verweinter Bub daher. Er hatte uns nicht mehr gesehen, waren doch so viele Leute am Strand und die Liegestühle sahen für ihn alle gleich aus. Wie war ich erleichtert und unsere Mama natürlich auch.

Wir erlebten noch wunderschöne vierzehn Tage am Meer mit Baden und Spielen. Die italienische Küche lernten wir damals noch nicht kennen, in unserem Hotel gab es nämlich Wiener Küche.

© mara