Das erste Mal

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Das erste Mal | story.one

Ich drücke die Klingel an deiner Haustür, dabei bin ich beinahe etwas nervös. Im nächsten Moment belächle ich dieses Gefühl.

Die Haustür geht auf und plötzlich stehst du da. Wir sehen uns an. Grüßend erhebst du die Hand. Einen Moment lang kann mich nicht bewegen, ich starre dich nur an. Du siehst genauso aus wie immer. Ganz wie ich dich kenne trägst du deine graue Lieblingsjogginghose und das blaue T-Shirt, das ich so unglaublich an dir mag. Geschmückt wirst du mit vielen Hundehaaren. Einfach zum Anbeißen!

Auf eine seltsame Art fühle ich mich dir plötzlich fremd. Immerhin haben wir uns mehrere Wochen lang nicht gesehen. Was, wenn sich plötzlich alles geändert hat? Was, wenn wir uns auf einmal nichts mehr zu sagen haben? Oder noch schlimmer: Was, wenn du mich nicht mehr liebst? Unsicher bleibe ich noch einen Moment stehen. Du bist der Mensch, der mir auf der ganzen Welt am Nächsten ist, und nun stehst du vor mir, und ich weiß nicht, was ich sagen soll.

"Willst du denn nicht reinkommen?", fragst du mich grinsend.

Da ist der Bann gebrochen. Ich trete durch die Haustür, du ziehst mich in eine lange Umarmung, die erste Umarmung in so vielen Wochen. Ich kann beinahe spüren, wie mein Herz einen Schlag aussetzt. Deine Stimme habe ich beinahe täglich durch mein Telefon gehört, aber dein Geruch ist mir fremd geworden. Gierig atme ich ihn ein, brauche ihn plötzlich so dringend wie die Luft zum Atmen.

Schüchtern hebe ich meinen Kopf. Du lächelst mich an, dieses Lächeln, das ich so gut kenne, das ich nun schon seit über zwei Jahren lieben darf. Wir küssen uns, das erste mal seit Wochen. Zuerst nur ganz vorsichtig, als hätten unsere Lippen vergessen, wie das geht. Dann immer drängender, die Sehnsucht übermannt uns. Es gibt so viel aufzuholen.

Drinnen angekommen liegen wir eng umschlungen in deinem Bett, jeder Zentimeter Abstand ist zu viel. Obwohl wir wissen, was im Leben des anderen in der Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, vorgefallen ist, erzählen wir gegenseitig nochmal die wichtigsten Momente, einfach, weil es so viel schöner ist, den anderen während der Geschichten anschauen zu können.

Als uns die Leidenschaft übermannt, fühlt es sich beinahe an wie das erste Mal, so intensiv, wie es nur nach wochenlanger Abstinenz sein kann.

Wochenlang habe ich dich intensiv vermisst, konnte es kaum erwarten, all die ersten male nach der Corona-Pause mit dir zu erleben. Meine Vorstellung konnte der Realität nicht gerecht werden.

Wie schön, dass die Zeit des Wartens jetzt endlich hinter uns liegt!

© Marcela