Ein Ausflug zur Casa di Giulietta

  • 214

Händchenhaltend schlenderten mein Freund Christoph und ich durch die kleinen Gassen Veronas und näherten uns dem Tor, das uns zur Casa di Giulietta bringen würde. Schon seit meiner Kindheit war es mein Traum, mit der Liebe meines Lebens zu dieser romantischen Stadt zu reisen und eine Nachricht auf die Mauer vor der Casa di Giulietta zu pinnen. Glücklich hielt ich einen Moment inne, bevor wir dort angelangten. Ich lächelte meinen Freund an. "Ich bin so froh, dass wir hier sind.", sagte ich und gab ihm einen Kuss.

Dann gingen wir die letzten Schritte und sahen durch das Tor zur Statue der Julia. Ich fühlte mich überwältigt. Staunend gingen wir durch den Durchgang, links und rechts klebten überall Nachrichten, tausende Paare vor uns hatten sich hier schon ewige Liebe geschworen. Hin und wieder blieben wir stehen und lasen einige Liebesbekundungen.

Schließlich standen wir vor der Statue der Julia. Angeblich brachte es ewige Liebe, die rechte Brust der Statue zu berühren. Und genau das taten alle Touristen. Kaum hatte eine Person ein Foto mit der Statue gemacht und stieg herunter, versuchten sich schon vier weitere Personen hinaufzustellen, es war ein richtiges Wettrennen.

"Willst du auch ein Foto haben?", fragte mich mein Freund. Zweifelnd schaute ich auf die Touristenmasse und das damit verbundene Chaos. Wollte ich mir das wirklich antun? Ich wollte meinem Freund gerade sagen, dass es mir vollkommen reicht, die Statue gesehen zu haben, doch stattdessen kam ein überzeugtes "Ja, unbedingt." aus meinem Mund und ich war von mir selbst überrascht. Also liefen wir genau in die Masse hinein und versuchten uns vorzudrängen. Beinahe schon bereute ich meine begeisterte Zustimmung, denn bis ich mein Bild haben würde, hätte ich sicher einige blauen Flecken mehr.

Doch dann war es soweit. Ich stand in der ersten Reihe und als die Person vom Sockel der Statue hinunterstieg, machte ich hastig wie möglich ein paar Schritte nach vorne und war tatsächlich die schnellste. Triumphierend stieg ich auf den Sockel und überprüfte, ob Christoph bereit war. Er streckte seinen Daumen in die Luft. Ich schloss kurz meine Augen und fühlte die Aufregung, danach legte ich meine Hand auf Julias rechte Brust und lächelte.

Als ich wieder unten war, gab ich meinem Freund einen langen Kuss. "Na schau, jetzt kann unsere Liebe ja nur mehr halten", sagte er und grinste mich an, "aber eine Kleinigkeit haben wir ja noch vergessen, oder?". Natürlich, wir wollten ja noch den Liebesschwur, den wir gestern im Hotelzimmer geschrieben hatten, an die Mauer hängen.

Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit die richtige Stelle gefunden hatten, hängten wir den Zettel auf und betrachteten staunend seine Bedeutung. "Auf ein gemeinsames langes und erfülltes Leben, in ewiger Liebe, Marcela und Christoph". Ich drückte Christophs Hand. Noch niemals war ich mir so sicher gewesen, dass ich neben der Liebe meines Lebens stand.

© Marcela