Jagd nach den Konzerttickets

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Jagd nach den Konzerttickets | story.one

Es war 18:35, mein Freund Alex und ich lagen entspannt auf dem Sofa. Für heute Abend hatten wir Konzerttickets für die Rockband Icon for Hire, auf die wir uns schon sehr freuten. Da fragte mein Freund plötzlich: "Hast du die Konzerttickets eigentlich abgeholt?". Beim Kauf der Tickets hatten wir Abholung bei einer Libro Filiale ausgewählt. Irritiert schauet ich ihn an. "Nein, hast das nicht du gemacht?"

Es herrschte eine kurze Sprachlosigkeit, als uns klar wurde, dass keiner von uns die Konzertkarten für heute abgeholt hatte. Schnell tippte Alex auf seinem Handy, um zu schauen, wie lange die Libros in Floridsdorf, unserem Heimatbezirk, heute offen haben. Die meisten schließen schon um 18:30 (also zu spät für uns), nur der Libro im City-Gate Center hat bis 19:00 offen. Nochmal ein Blick auf die Uhr: 18:37. Wir mussten 5 Minuten zur Garage laufen, fuhren 12 Minuten hin und dann den Libro dort noch finden...Verdammt knapp wird das!

Wie von der Tarantel gestochen sprangen Alex und ich wortlos auf und liefen zum Auto. Im Auto zeigte das Navi als Ankunftszeit 18:55 an. Langsam spürten wir die Verzweiflung. Wie sollte sich das mit dem Wiener Verkehr jemals ausgehen? Wir düsten die Leopoldauer Straße entlang, Geschwindigkeitsbeschränkungen wurden eher zu großzügigen Empfehlungen. Kurz vor dem Ziel hatten wir sogar einige Minuten aufgeholt: Ankunftszeit 18:53.

Bei der letzten Ampel standen wir allerdings...und standen...und standen. Es wurde einfach nicht grün. 18:54. Als die Fußgängerampel auf grün schaltete, sprang ich kurzerhand aus dem Auto und sprintete über die Straße zum City Gate Center. Im Eingangsbereich hielt ich mich nur wenige Sekunde mit dem Studieren der Karte auf, dann lief ich in die (hoffentlich) richtige Richtung. Die Uhr zeigte bereits 18:57 an.

Dann die Erleichterung: Um 18:58 hatte ich den Libro gefunden und er hatte noch offen. Die Verkäuferin sah mich etwas seltsam an, als ich mit Jogginghosen, einem alten Puli und ungekämmten Haaren im vollsten Sprint auf sie zugerannt kam. "Ich würde gerne Konzertkarten drucken lassen.", keuchte ich. Zugegeben, Sport gehörte nicht zu meinen Hobbys.

"Uh, da haben Sie sich einen schlechten Tag ausgesucht.", meinte die Verkäuferin, "Heute geht schon den ganzen Tag der Drucker nicht. Und wenn ich den Code eingebe und der Drucker stürzt ab, geht der Code verloren, da ich ihn nicht nochmals einlösen kann." Heute hatte sich echt alles gegen uns verschworen! "Egal, probieren Sie es bitte!", keuchte ich und erklärte ihr meine Situation. Die Verkäuferin war sehr mitfühlend und fieberte zu 100% mit mir mit, als wir den Druckbefehl gaben. Dann die Erleichterung: Die Karten wurden gedruckt! Hallelujah!

In diesem Moment kam auch Alex nachgerannt und so freuten wir uns zu dritt über den glücklichen Ausgang. Nachdem die Verkäuferin uns noch ganz viel Spaß gewünscht hatte, verließen wir um 19:05 den Libro und machten uns auf den Weg zum Konzert. Das war ja gerade nochmal gut gegangen.

© Marcela