Mut zu Fehlern - meine Reise am Klavier!

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Mut zu Fehlern - meine Reise am Klavier! | story.one

Ich war bereits 18 Jahre alt, als ich mit dem Klavierspielen begann. Eigentlich war es bereits mein Traum, seit ich 6 Jahre alt war und meine Eltern mich fragten, was für ein Instrument ich gerne lernen möchte. "Klavier!", antwortete ich ohne Nachdenken ganz begeistert. Dann die Ernüchterung: Für ein Klavier hätten wir keinen Platz, ich soll mir doch ein anderes Instrument aussuchen. Also wurde es schlussendlich die Querflöte, die während meiner ganzen Kindheit und Jugend mein treuer Begleiter war. Bis heute spüre ich eine tiefe Verbundenheit zu diesem Instrument, allerdings war die Sehnsucht nach dem Klavier in all den Jahren nicht erloschen.

So kam es, dass ich mit 18 Jahren beschloss, mir selbst Klavierspielen beizubringen. Die Anfänge waren wahrlich schwer - zwei Hände unabhängig voneinander zu bewegen, den Bassschlüssel ganz neu zu erlernen (Querflöte ist ja nur im Violinschlüssel-Bereich) oder die Pedal-Benutzung. Doch schon bald klimperte ich voller Stolz erste einfache Poplieder.

Meine Familie fragte mich immer wieder, ob ich ihnen nicht mal was vorspielen möchte. Doch allein die Vorstellung machte mich extrem nervös, es wäre ja wahnsinnig peinlich, einen Fehler zu machen. Deshalb übte ich immer nur mit Kopfhörern, damit nur ja keiner was von meinen falschen Tönen mitbekam.

Vor 3 Jahren stand ich dann an. Ich konnte zwar die Basics, doch was ich tun musste, damit ein Lied so schön klang wie auf Youtube, das war mir ein Rätsel. Als ich auch nach Wochen noch keine zufriedenstellende Antwort bekommen hatte, suchte ich mir eine Klavierlehrerin. Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte! Mit ihrer Hilfe machte ich rasant Fortschritte, es ging von Pop-Lieder zu zeitgenössischer Klaviermusik (Ludovico Einaudi, Yann Tiersen) bis hin zu klassischen Komponisten (Beethoven, Chopin, Debussy). Und das war noch nicht mal das Beste: Noch nie hatte mir das Klavierspielen mehr Spaß gemacht! Plötzlich klang das, was ich spielte, so, wie es klingen sollte!

Mit meinem Fortschritt waren allerdings auch meine Ansprüche höher geworden. So kam es, dass meine Angst vor Fehlern eher größer als kleiner geworden war. Noch immer übte ich ausschließlich mit Kopfhörern, niemand durfte an meinem Können teilhaben.

Bis ich vor zwei Jahren meinen Freund kennenlernte. Er liebt klassische Musik über alles und als er mitbekam, dass ich spielte, ließ er nicht locker, bis ich vor ihm am Klavier saß und den Canon in D begann. Als ich so vor ihm saß und das Stück spielte, wurde mir plötzlich klar, wie lächerlich meine Angst gewesen war - natürlich würde ich Fehler machen! Jeder macht schließlich Fehler, sogar Profimusiker. Die einzige, die sich daran störte, war ich. Am Ende des Stückes umarmte mich mein Freund und bedankte sich bei mir. Und in diesem Moment habe ich den Mut zu Fehlern gefunden.

Mittlerweile spiele ich meinem Freund, aber auch manchmal meiner Familie, regelmäßig etwas vor und genieße ihre zufriedenen Gesichter.

© Marcela