Schmetterlingseffekt der Freundlichkeit

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Schmetterlingseffekt der Freundlichkeit | story.one

Meine Familie und ich flogen nach einer Woche Urlaub in Ägypten wieder nach Hause. Da wir einen längeren Weg zum Flughafen hatten, brachen wir bereits am Vormittag vom Hotel auf.

Der Flug selbst ging erst um 17:50. Da ich zum Frühstück das letzte mal etwas gegessen hatte, hatte ich natürlich schon einen riesigen Hunger und freute mich ganz besonders auf das Essen an Board, das bei Mittelstrecken bei der Austrian Airlines immer dabei war.

Im Flugzeug angekommen sah ich nach einiger Zeit endlich, dass die Stewardessen das Abendessen auszuteilen begannen. Das ganze Flugzeug war bereits vom guten Geruch erfüllt. Da wir in der vorletzten Reihe im Flieger saßen, waren wir leider erst ganz am Schluss dran. Ich konnte es kaum erwarten!

Zwei Reihen vor mir dann das Unglück.

"Unser vegetarisches Menü ist leider ausgegangen, aber wir haben noch genug von der Fleischalternative.", begann die Stewardess jedem zu erklären.

Für die meisten Menschen überhaupt kein Problem - meine Schwester und ich waren allerdings schon seit vielen Jahren Vegetarier.

"Wir haben leider nur noch die Alternative mit Fleisch.", sagte sie auch zu uns und wollte sie uns reichen.

Wir lehnten traurig ab und erklärten ihr die Situation. Die Stewardess zeigte sich sehr mitfühlend, man konnte uns den Hunger mittlerweile sicher am Gesicht ablesen.

"Wartet mal, ich habe eine Idee.", verkündete sie dann und verschwand für ein paar Minuten nach hinten.

Danach kam sie mit zwei Portionen vegetarischem Essen zurück.

"Wir geben euch von unserem Crew-Essen ab und essen einfach eure Portionen.", meinte sie, "Ihr sollt nicht hungern müssen."

Meine Schwester und ich waren sehr gerührt und bedankten uns im Laufe des Fluges noch etwa hundertmal bei ihr.

In derselben Reihe wie wir saß noch ein etwa 8-jähriges Mädchen am Platz am Mittelgang. Als der Pilot den Landeanflug ankündigte, bemerkten wir, dass sie einen ganz langen Hals bekam, um auch ja gut aus dem Fenster sehen zu können. Also fragten meine Schwester und ich, ob sie noch schnell mit uns Platz tauschen wolle, um direkt am Fenster sitzen zu können.

Sie nickte begeistert und sah dann aufgeregt bei der Landung zu. Beim Aussteigen kam ihre Mutter, die eine Reihe weiter hinten saß, auf uns zu.

"Danke vielmals, ihr habt ihr eine ganz besondere Freude gemacht. Es war ihr erster Flug."

Bei uns machte sich ein Gefühl tiefer Zufriedenheit breit, das davon kam, anderen eine Freude zu machen.

Als wir dann auf unsere Koffer warteten, bemerkten wir, dass die Mutter des Kindes einem alten und gebrechlichen Ehepaar half, die Koffer vom Gepäckband herunterzuheben. Zufrieden lächelten wir.

So stelle ich mir den Schmetterlingseffekt der Freundlichkeit vor. Ein kleiner Akt der Freundlichkeit, den du selbst erlebst, bringt dich dazu, auch zu anderen freundlicher zu sein, die dann ebenfalls zu anderen freundlicher sind.

So machen wir die Welt Schritt für Schritt zu einem besseren Ort.

© Marcela