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Unerwartete Begierde

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Unerwartete Begierde | story.one

Endlich war der Abend gekommen, auf den ich mich schon seit Wochen freute: Eine Schulfreundin, Renate, feierte ihren Geburtstag und schmiss eine große Home-Party. Um halb 6 machte ich mich also mit meiner besten Freundin Lisa auf den Weg, um noch ein wenig bei den Vorbereitungen zu helfen. Zu meiner Überraschung waren schon etwa 7 Menschen dort und saßen gemütlich um den großen Tisch.

"Ist schon alles vorbereitet!", verkündete das Geburtstagskind, "Nehmt euch etwas Nudelsalat und macht es euch bequem.". Gesagt, getan und schon saßen wir am Tisch.

"Kathi? Elisa?", fragte ich plötzlich ganz überrascht. Neben mir saßen Zwillinge. Und nicht irgendwelche: Während der Volksschulzeit war ich eng mit ihnen befreundet gewesen, wir gingen zusammen klettern und trafen uns oft zum Spielen. Als sie elf waren, zogen sie nach der Scheidung der Eltern plötzlich nach Wien und ich verlor den Kontakt zu ihnen. Renate offensichtlich nicht. Ich hatte gar nicht gewusst, dass sie auch hier sein würden, freute mich aber ungemein. Sofort rückten Lisa und ich zu ihnen und wir tauschen uns über die vergangenen Jahre aus. Eine Weile später rissen sich Lisa und Kathi vom Gespräch los, denn eine Partie hatte begonnen, Tischfußball zu spielen und sie wollten dabei sein.

So waren es nur noch Elisa und ich. Die Zeit verging wie im Flug. Wir redeten über Gott und die Welt, die Welt um uns verschwamm. Immer weniger konnte ich das Gefühl in mir unterdrücken, das von Minute zu Minute stärker wurde: Heftiges und unerwartetes Begehren!

"Reiß dich zusammen!", sagte ich mir immer wieder im Geiste, "Du hast einen Freund, mit dem du sehr glücklich bist. Reiß dich zusammen!" Ich hatte so ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Freund. Trotzdem konnte ich einfach nicht aufhören, Elisa anzustarren. Sie war einfach so wunderschön mit ihrem runden Gesicht, den vollen Lippen und den langen Haaren.

Natürlich war mir bewusst, dass niemals etwas zwischen uns passieren würde. Ich würde meinen Freund niemals betrügen. Außerdem war Elisa hetero."War ja klar", hörte ich eine leise Stimme in meinem Kopf, "Alle Frauen, die ich attraktiv finde, müssen hetero sein." Gleich danach wurde die leise Stimme übertönt von einer lauteren inneren Stimme: "Das spielt keine Rolle, du hast einen Freund, reiß dich zusammen!"

Die Stunden vergingen und wir saßen noch immer alleine in einer Ecke und redeten. Es fiel mir immer schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich wollte nichts anderes, als Elisa zu küssen. Um kurz vor Mitternacht wurde es mir plötzlich zu viel. Ich verließ die Party fluchtartig mit einer Ausrede, da ich auf keinen Fall etwas tun wollte, das ich später bereuen würde.

Am nächsten Tag konnte ich die Situation wieder klarer beurteilen: Es war ganz natürlich, andere Menschen attraktiv zu finden, das passierte jedem mal. Kein Grund, sich schuldig zu fühlen. Erleichtert machte ich mir Frühstück, die intensiven Gefühle der vorherigen Nacht nur mehr ein schwacher Nachklang.

© Marcela 18.04.2020

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