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Der schlimmste Liebeskummer

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Der schlimmste Liebeskummer | story.one

Nina, eine Freundin von mir, hat sich vor sechs Monaten von ihrem Freund Anton getrennt...getrennt ist wohl der falsche Ausdruck - er hat sie eiskalt für eine Arbeitskollegin von ihr abserviert. Sogar durch die Nina hatten sich die beiden kennengelernt, danach eine lange Affäre...keine schöne Geschichte! Nina litt seitdem unglaublich. Sie schaffte es irgendwie nicht, die Trennung zu verarbeiten. Stattdessen hat sie sich zurückgezogen und geht nur noch sehr selten aus. Obwohl das ganze bereits 6 Monate her war, schlief sie noch immer täglich in seinen T-Shirts.

Eines Tages dann platzte mir der Kragen. Ich konnte es einfach nicht mehr mitansehen, wie Nina daran zugrunde ging. "So, ich habe Karten für `Die Mitte der Welt´ im Renaissancetheater im 7. Bezirk gekauft! Ob du willst oder nicht, wir gehen aus!"Anfangs jammerte sie noch ein wenig, ließ sich dann aber überraschend schnell überzeugen.

Einige Tage später war es soweit und wir trafen uns vor dem Theater. Nina hatte sich sogar ein schönes Kleid und höhere Schuhe angezogen. Ich lächelte in mich hinein, vielleicht würde der Abend doch ein Erfolg sein. "Ach, Anton hätte das sicher auch gut gefallen,", seufzte sie. Weil ich so glücklich war, sie heute Abend bei mir zu haben, überhörte ich das großzügigerweise.

Drinnen angekommen gaben wir unsere Garderobe ab. 30 Minuten noch bis Beginn. Wir beschlossen, uns in eine ruhige Ecke zu stellen und noch ein wenig zu tratschen. "Marcela?", hörte ich da kurz darauf eine mir bekannte Stimme hinter mir. "Simon!", rief ich begeistert und umarmte ihn. Simon war ein Studienkollege und enger Freund. Und er war nicht allein - neben ihm stand ein Mann, auch etwa in unserem Alter, der sich als Phillip vorstellte.

Schnell musste ich Simon noch etwas zu einer Uni-Übung fragen, in der wir beide waren. Als wir uns nach kurzer Zeit wieder den anderen zuwandten, sahen wir, dass Nina und Phillip bereits in ein Gespräch vertieft waren. "Lassen wir die beiden.", sagte ich strahlend, denn Nina wirkte plötzlich gar nicht mehr so griesgrämig wie sonst seit der Trennung. Viel zu schnell wurde es Zeit, sich zu den Sitzen zu begeben.

"Uuuuuund?", fragte ich schnell, während das Licht ausging, und wackelte mit den Augenbrauen. Nina wurde knallrot. In der Pause warteten die beiden Männer bereits in "unserer" Ecke. Wieder schienen sich Nina und Phillip prächtig zu verstehen. Da wir nicht stören wollten, ließen wir die beiden alleine.

Als ich Simon die Vorgeschichte zu diesem Theaterbesuch erklärte, begann er schallend zu lachen. "Das ist Schicksal, Phillip hat auch eine harte Trennung hinter sich." Bevor wir uns schließlich auf den Heimweg machten, beobachten wir, wie die beiden verlegen Nummern austauschten.

Da ich durch mein Drängen nichts kaputtmachen wollte, was vielleicht gerade im Entstehen war, sprach ich das Thema am Heimweg nicht mehr an. Wenige Woche später war es dann offiziell: Die beiden waren ein Paar! Simon und ich haben uns sehr gefreut.

© Marcela 16.05.2020

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