BRATWURST, BIER UND GARTENZWERGE

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BRATWURST, BIER UND GARTENZWERGE | story.one

Der erste echte Hitzetag in diesem Sommer. Ich habe mich danach gesehnt, wollte endlich wieder baden gehen, wenigstens ein bisschen Urlaubsfeeling in der Stadt genießen. Doch die Besucherzahl in den Bädern wurde COVID-bedingt begrenzt. Da war die Einladung eines Bekannten, der ein Sommerhäuschen in einem Schrebergarten hatte, willkommen. Und da ich den Kleingarten nur vom Vorbeigehen kannte, war ich auch neugierig, wie man dort den Alltag verbringt. Eine blickdichte hohe Hecke schützte das Innen vor allzu neugierigen Blicken von Draußen.

Er sperrte die Gartentür auf, die mit Heckenrosen umrandet war. Ich blickte mich indiskret um. Er hatte keinen Rasen, sondern eine Wiese auf der Blumen blühten. Verstreut standen und lagen bunte Gartenzwerge und starrten mitten im Hochsommer ins Nichts.

In einer Nische schmiegte sich ein Blumenbeet, in einer anderen Ecke war ein Gemüsebeet angelegt. Ich vermisste die Obstbäume wie Kriecherl, Kirschen und Ribiselsträucher.

„Sie machen zu viel Arbeit”, meinte der Gartenliebhaber, der mir eine Bratwurst anbot. „Komm wir setzen uns daher. Beim Bier plaudert es sich besser.”

Eine schattige Sitzecke und farbenfroh bemalte Sessel schmückten die Wiese. Die Ästhetik stand im Vordergrund, der Garten war schmuckes Beiwerk, das erweiterte Wohnzimmer.

Er drückte auf die Fernbedienung. Das Zwergerl mit der roten Zipfelmütze fing zu singen an: „I wü’s gar net wissen“. Anschließend krächzte der türkise Zwerg: „Don’t stop me now.“ Danach stimmte die Zwergin mit dem grünen Stinkefinger an: „You can’t always get what you want.“ Das kleine rosa Vogerl zwitscherte vom zurechtgestutzten Buchs im windstillen Eck: „If I had a hammer. I'd hammer in the morning, I'd hammer in the evening”. Dabei kollerten dem blauen Giftzwergerl die Tränen über das Gesicht. Die anderen Zwergerl sah ich nicht, weil sie alle im Schatten vom Vereinsobmann „Yesterday“ und seinem Kassierer „Let it be“ verschwanden.

Tja, der Bekannte lebte wahrlich in einer Schrebergartenidylle.

„Und wo jetzt Kleinvillen stehen,” er zeigte nach hinten, „standen vorher Pawlatschen. Ursprünglich war nur eine Werkzeughütte erlaubt, die mit der Zeit immer mehr zum Wohnraum wurde”, erklärte er mir, gekleidet wie ein kanadischer Forstarbeiter. “Ich kann selbst gestalten, kreativ werden und mich mit der Natur beschäftigen. Das ist ein Paradies für mich.“

Auch ich fühlte mich wohl hier. Beschaulich, friedlich und gemütlich war es auf diesem grünen Flecken.

Er stand auf. „Komm!” Er zeigte seinen vom Schilf umrandeten Naturschwimmteich. Ich streckte meine Beine hinein.

“Da sind Blutegel drinnen!” Der Witzbold hatte Spaß mich zu erschrecken.

„'s Goartentürl ghört gstrichen!”, schrie der Obmann durch die Tür.

„Demnächst!” Den Obmann des KG-Vereins nannte er Herr Präsident.

„Scheee habt's es. Wollt's mir irgendwelche Probleme sagen? Fast 2000 Euro san in der Kassa, da kenn ma des Joa wieder olle ins Gasthaus geh. Griaß Eich!”

© Margaretha Husek 01.08.2020