Die Erkenntnis

Das Wissen war schon lange da, es schlummerte nur verborgen in meinem Gehirn. Doch eines Tages, es war übrigens um 7 Uhr morgens beim Blumengießen, war es nicht mehr zu negieren, der Satz ploppte auf und stand mit gnadenloser Deutlichkeit da: ICH WERDE IMMER EINE LAUSIGE GOLFSPIELERIN SEIN!!!

Wenn Sie nicht Golf spielen, lesen Sie nicht weiter, Sie werden die Geschichte ohnehin nicht verstehen. Alle anderen Menschen werden zumindest partiell mitfühlen können.

Die Vorgeschichte ist trivial:

Ein Jahr nach der Platzreife kaufte ich neue Eisen in der Überzeugung, dass nur das beste Gerät ein gutes Ergebnis bringt. Nur ein blutiger Anfänger wie ich konnte damals noch glauben, es läge an den Schlägern. Ich habe im Lauf der Jahre ein besonderes Verhältnis zu Eisen, Putter, Sandwich & Co entwickelt, ich spreche mit ihnen, mal schmeichle ihnen, dann wieder drohe ich, sie sofort und auf der Stelle zu zertreten, wenn sie nicht tun, was ich will. Dann probierte ich es mit besonders guten Golfbällen …. die meisten von ihnen schlummern seither am Grund von irgendwelchen Golf-Tümpeln, verschimmeln in undurchdringlichem Gebüsch oder in Wäldern. Auch Golf-Pros habe ich engagiert, geduldige junge Menschen, die mir zum Trost sagten, dass man bei einem Golfschwung mehr als 100 Fehler machen könne, als ob ich das nicht schon längst aus Erfahrung wüsste.

Warum ich dennoch weiter spiele?

Weil ein guter Schlag ein unglaubliches Hochgefühl hervorruft, und weil das Geräusch, das der Ball schlussendlich im Loch macht, in dem Augenblick die schönste Melodie der Welt ist. Daher spiele ich auch am liebsten mit mir alleine, ich wiederhole ungeniert verpfuschte Schläge und freue mich über alles, was nicht daneben geht. Und es gibt keine Zeugen für mein, ja, ich sage es, lausiges Spiel. Wenn ich doch einmal in Gesellschaft die Schläger schwingen muss, so ist jedem angeraten, mich zwei Dinge nicht zu fragen: Wie lange ich schon spiele, noch schlimmer, welches Handicap ich habe – da würde ich eher mein Gewicht oder mein Alter verraten!

Es gibt Laufmeter an Golfbüchern, solche, die einem minutiös zeigen, wie Tiger Woods es richtig macht, und noch viel mehr Bücher mit Geschichten rund um Golf, mit Aussprüchen von prominenten und weniger prominenten Golfspielern. Darin lese ich gerne und finde Trost und Zuspruch, weil es offensichtlich vielen Verrückten wie mir geht, und wir wissen, dass sich die Schule der Demut irgendwo zwischen Fairway, Rough und Green befindet. Oder wie Sir Winston Churchill angeblich sagte: "Beim Golfspielen versucht man, einen winzigen Ball in ein noch viel kleineres Loch zu spielen, und das mit einer Ausrüstung, die zu diesem Zweck völlig ungeeignet ist." Wie Recht er hat.

Aber jetzt soll es aufwärts gehen - ich habe zum Geburtstag den Ferrari unter den Golfbags bekommen, sauteuer und bildschön – das dann von meinem lausigen Spiel ablenken wird.

Schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt …

© Margaretha