Ola Salisburgesa

Meine Eltern haben mich schon Anfang der 70-er Jahre jeden Sommer ins Ausland geschickt, zuerst mit 14 zweimal zu Familien nach England, dann dreimal als Au-Pair nach Frankreich. Nach meinem ersten Studienjahr wollte ich zwar wieder weg, aber sicher nicht mehr als unterbezahlte Haushaltshilfe zu reichen Leuten nach Frankreich. Dann tat sich die Chance auf: eine Stelle als Volontärsekretärin an der Außenhandelsstelle in Madrid, wouh. Die erste Hürde meisterte ich, indem Vaters Sekretärinnen für mich die Fragen nach Steno- und Maschinschreibkenntnissen beantworteten – Kurse habe ich zwar mehrfach besucht, aber mangels Interesse und Begabung nie abgeschlossen …

Auf in die große Welt – der Flug Wien-Barcelona-Madrid war gebucht, aber der Anschlussflug nach Madrid war ausgefallen, sodass ich erst um Mitternacht in Barajas landete, wo keiner mehr da war um mich abzuholen. Ich fühlte mich genauso jämmerlich wie sich mein nach einem Jahr auf der Uni gelerntes Spanisch anhörte. Aber schon im Bus vom Flughafen in die City kam ich (auf Französisch) ins Gespräch mit einem hinreißenden Spanier, der noch kitschigerweise Julio hieß und in den ich mich auf der Stelle verliebt habe, mit 19 geht das eben schnell. Zu Dienstantritt am nächsten Tag meinte der Handelsdelegierte, ich sei ja eine Koriphäe in Steno und Maschinschreiben, er hat aber nicht lange gebraucht, um die Wahrheit zu erkennen und ließ mich von da an Bankauskünfte u.a. aus dem Spanischen übersetzen.

Bald schon fand ich ein Zimmer im Studentenviertel, und von da an war das Leben nur noch wunderbar. Dienstschluss um 15 Uhr, danach ins Schwimmbad der Uni, und abends, eigentlich nächtens, Party. Wie das ging? Ich lag anfangs im Bad und hatte mein Lehrbuch „Spanisch für Ausländer“ in der Hand, und das Wunderbare war, dass mir immer wieder Studenten einfach das Buch aus der Hand genommen haben mit den Worten - so lernst du es nicht, komm, trinken wir einen Kaffee …. Und so kam es, dass ich nach wenigen Wochen mehr Leute in Madrid kannte als nach einem Studienjahr in Salzburg, ola Salisburgesa, so wurde ich begrüßt.

Ich lernte in drei Monaten nicht nur Spanisch und Madrid und die Umgebung kennen, sondern auch, wie man Rotwein aus Schläuchen trinkt und was eine Sangria und vor allem namenlose Mixgetränke anrichten können. Und ich habe Land, Leute und ihre Kultur kennen und lieben gelernt. Dass auch Julio dabei eine gewisse Rolle gespielt hat, sei nicht verschwiegen.

Nachtrag: Der EU sei Dank, dass die jungen Leute heute im Ausland problemlos studieren und leben können. Weil es bereichert, in jeder Hinsicht!

© Margaretha