Väterkarenz 2.0

Am 1. März geht die Väterkarenz 2.0 los. Ein paar Termine habe ich schon vereinbart und einen Platz in einem Co-Working Büro reserviert. Voll Elan möchte ich loslegen. Doch erstens kommt es oft anders und zweitens als man denkt...

Kinder sind Kinder. Sie sind unberechenbar. Das Leben mit Ihnen kann nicht durchgeplant werden. So wird Wutzi, der Große, just am Sonntag krank. Nicht wirklich schlimm, aber er hat erhöhte Temperatur. Zur Tagesmutter geht er also nicht. Und Sonnenschein, das Baby, zahnt und jammert herum. Zwar ist der Papa durchaus fähig und im Stande, sich um die beiden zu kümmern, aber wenn beide nicht fit sind und das ausgerechnet zum Beginn seiner 7-monatigen Auszeit, ist das für keinen von uns ein guter Start. Ich bleibe also zu Hause. Ein Teil von mir ist froh und dankbar, dass ich es mir einteilen kann, das Ego ist verärgert und gerät in Panik: Wie soll ich so an meinen Projekten weiterarbeiten? Wie soll ich Aufträge bekommen? Wie sehen die nächsten Jahre finanziell aus? Ich versuche, so gut ich kann diese Extrawoche und die Zeit, die wir als Familie haben, zu genießen, bin aber ehrlich gestanden ein bisschen gespalten. Ich gönne uns trotzdem einen sanften Übergang und sage mir mantrenartig, dass sich schon alles zum Besten für alle Beteiligten richten wird.

Das tut es dann auch. Routine stellt sich ein: An den meisten Tagen verlasse ich in der Früh mit Wutzi das Haus und bringe ihn mit dem Fahrrad zur Tagesmutter. Gegen 15 Uhr hole ich ihn ab. Mittwoch arbeitet der Papa und ich habe einen Tag mit meinem Baby. Warum ich das tue? Weil ich die Zeit mit ihm genieße und dankbar bin, dass es sich finanziell und organisatorisch ausgeht, meinem Mamasein mit einem Baby Raum geben zu können.

Ich genieße meine Arbeitstage. An manchen bleibe ich etwas länger, oder ich schiebe am Abend noch ein Stündchen ein. Uns hilft eine gewisse Routine und Disziplin. Dazu gehört, dass ich in der Früh außer Haus gehe. Ich bin zwar ein absoluter Homeoffice-Fan, weiß aber, dass ich mich in der derzeitigen Phase nicht ausklinken und arbeiten könnte, wenn im Nebenzimmer das hübscheste und herzigste Baby der Welt mit dem Papa herumgluckst.

Zwei Monate nach Beginn der Vaterkarenz hat die Tagesmutter ein paar Tage frei. Der Papa bleibt allein mit den beiden Kindern unter drei Jahren zu Hause und ich gehe arbeiten. Jetzt geht es. Er hat die notwendige Sicherheit, ich das Vertrauen und die Kinder spüren, dass es uns beiden damit gut geht.

Was ich an der Vaterkarenz am meisten genieße? Die enge Beziehung, die sich zwischen Papa und Baby entwickelt. Wäre ich daneben und ständig greifbar, hätten sie nicht die Möglichkeit, sich so aufeinander einzulassen. Ich bin dann zwar als Mutter nicht so wichtig, trotzdem einzigartig und die beste Mutter, die ich sein kann. Dieses Gefühl entsteht nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, in dem mein Selbstvertrauen und das Bewusstsein wächst, dass ich auf meine Art als Mutter alles irgendwie richtig mache.

© Margit Atzler