Alle meine Männer, na, nur a paar...

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Alle meine Männer, na, nur a paar... | story.one

Mit 4 war ich zum ersten Mal verliebt, ein Malerlehrling, der das Zimmer meiner Omi ausgemalt hat, in dem sie kurz vorher gestorben war. Mit 8 Jahren erste Verlobung. Wir saßen nebeneinander in der Reihe auf gleicher Höhe vorletzte Bank, nicht in einer Bank. Das durfte man damals noch nicht. Er kaufte auf dem Weg zur Schule in der Molkerei Briefchen mit bunten Traubenzuckerherzchen für mich.

Wenn ich ihn „neckte“, und es ist ja mittlerweile sattsam bekannt, was das heißt, dann drohte er mit Untertauchen nachmittags im See. Ich neckte ihn, so oft ich nur konnte und freute mich darauf, fast ertränkt zu werden. Gescheitert ist unsere Beziehung daran, dass ich ins Gymnasium musste und er in die Hauptschule durfte. Wenn meine Mutti sich beklagte, dass ich zum Studieren ging und nie wieder ganz heimkam, sagte ich: Selber schuld. Ich wär eh gern Friseurin geworden und hätte den Gerold geheiratet.

Mit 15 bekam ich den ersten von insgesamt drei Heiratsanträgen, von einem witzigen Ostfriesen, der mit Otto, dem zweiten witzigen Ostfriesen, sogar in dieselbe Klasse ging. Er war 18, auf Urlaub in Döbriach, erster Kuss wäh!!!! Zum Abschied küsste er mich dann noch einmal und versprach, er würde nach München gehen zum Medizinstudium. Mutti war begeistert, ein Hausarzt für sie persönlich, Steinbock, treu wie Gold, für die Tochter. Er ging tatsächlich nach München. Das war mir dann aber zu nahe.

Dann lange keine nennenswerte Entwicklung, nur Verliebtheiten bis an den Rand des pubertären Wahns. Wann die Entblumung (Defloration) kam, wage ich gar nicht zu enthüllen. Nur so viel: Sehr spät! Das hatte mir niemand zugetraut. Am wenigsten mein Englischprofessor, der mir zur Matura „Lady Chatterly’s Lover“ verpasste. Ich hatte sowas von keine Ahnung, was da drin stand. Solche Auswirkungen können dezentes Make-up und ein freches Mundwerk haben. Vorurteile gröbster Art. Mit der großen Tanzstundenliebe klappte es nicht. Ich „traf“ ihn erst 40 Jahre späterauf einem Friedhof in Rom.

Während des Studiums holte ich dann einiges nach, auch den Schlaf, der zu Hause nicht möglich war, denn Papa hasste Langschläfer. Ich kam manchmal auf 14 Stunden, was dem Studium nicht so zuträglich war. Aber ich musste eh einen gewissen Schnitt für das Stipendium schaffen und schleppte mich also doch zu der einen oder anderen wichtigen Vorlesung, manchmal kurz nach Mitternacht wie z.B. zu Altkirchenslawisch und Altenglisch. Die Übung gelang so halbwegs, trotz Sturm (der junge Vor-Wein, in Studentenkreisen sehr beliebt) und Drang, auch sehr beliebt.

Im Studentenheim dann schnappte ich einer Kollegin, gleich am Anfang, als sie zu Allerheiligen zum ersten Mal heimfuhr und ich freie Bahn hatte, ihren Freund weg. Das musste einfach sein, die beiden passten überhaupt nicht zusammen! Wir dann übrigens auch nicht. Sie nahm es mir aber nicht übel. Sie hatte ein viel stärkeres Selbstbewusstsein als ich und sagte: Ka Problem 4 mi, I kriag an jed’n. Damit war die Sache gegessen.

© Margret Moser 17.01.2020