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#natur#kampf#bambus

Aus Liebe wurde Hass

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Aus Liebe wurde Hass | story.one

Als ich ihn mir anlachte, hab ich nicht nach den Nebenwirkungen gefragt. Großer FEHLER! Man sollte nie einen Bambus kaufen, ohne den Beipackzettel zu lesen und den Gärtner gleich mit in die Haftung zu nehmen. Am besten wär, gleich einen Vertrag abzuschießen und eine Versicherung dazu. Zum Beispiel beim ÖAMTC, die haben die besten Rechtsanwälte.

Er war so lieb am Anfang. Die Blätter zartgrün. Über jedes einzelne hab ich mich gefreut. Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich an ihn, wie das halt ist in einer Beziehung. Schaute nicht mehr so genau hin. Jahrelang. Zu lang! Eines Tages stehe ich am Gartentor. Und er neben mir! Wollte offenbar abhauen.

Er war unter den Autos hindurch, auf unserem – wegen öko nicht versiegelten – Parkplatz bis ans Ende des Grundstückes geschlichen mit seinem Clan. Die vorbeiführende Einbahnstraße hat ihn dann wohl irritiert. Er war anscheinend am Überlegen, wohin er sich nun wenden sollte. Wir sind sehr verkehrsgünstig gelegen. Die Bus-Haltestelle ist nur 150m entfernt. Das hätte er locker in einigen Wochen geschafft, wenn da nicht der blöde Asphalt gewesen wäre. Und dann hätte er mit dem 31er in 15 Minuten im Zentrum sein können. Aber da war dann Schluss mit lustig.

Mein Lebensgefährt (öko) holte einen Spaten, zwickte die bereits ins Öffentliche spähenden Rhizome (so heißen die flotten unterirdischen Dinger) ab, zog mit aller Kraft an und - landete fast unter’m Auto. Die Fliehkraft. Er verfolgte die Großfamilie bis zur Gartenhütte, die sie auch schon unterwandert hatten.

Zwischen den Bodenbrettern war schon alles hellgrün. Wegen des alten Fleckerlteppichs, den ich – bevor er ganz zu Staub zerfallen durfte – noch in der Hütte zwischengelagert hatte, hatten wir die Hyperaktivität des Bambus jahrelang nicht bemerkt. Arnold riss alles aus, wo er angreifen konnte, ohne gleichzeitig die Hütte mit abzubauen.

Das – unter anderem natürlich – Wunderbare an meiner flüchtigen Paddelbekanntschaft: Er ist sehr positiv, meistens. Und er liebt es, sich mit dem Bambus zu messen. Alle Jahre wieder. Es wird & wird ihm nicht zu blöd. Ich frage ihn nach den Sommerferien, die ich rhizomfrei in Kärnten verbringe, immer: Sollen wir nicht einmal einen Bagger holen und eine endgültige Lösung anstreben? Er: Na, Weibi, mir taugt des! Und holt schon wieder voll Elan die Spitzhacke, hackelt volle Wäsch eine, dass mir ganz schiach wird.

Einmal wollte er sogar, so begeistert war er von dieser Pflanze, eine eigene Plantage hinter'm Haus anlegen. Genau an der Kriegsfront zur GKB (Graz-Köflacher, steirische Lokalbahn, die mir, obwohl Öffi-FanIn, sehr wenig am Herzen gelegen ist, weil sie mehr oder weniger Tag und Nacht durch mein Wohn- und Schlafzimmer fährt).

Aber da machten sogar die Rhizome nicht mit. Die wollten sich auch nicht mit der GKB anlegen. Sie vertrockneten sofort. Ach, vielleicht wär das DIE Lösung? Wir könnten die GKB bitten, eine Gleisschleife durch den Garten zu legen. Unsere Gartenhütte: Haltestelle Faunastraße...

© Margret Moser 2020-01-18

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