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#liebe#katzen

Brunner & Brunner

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Brunner & Brunner | story.one

Mein Bruder liebte immer schon Katzen. Ich hab noch ein Bild aus Kindertagen vor mir. Auf unserem Grundstück stand eine stillgelegte Materialseilbahn. Sie brachte, als sie noch in Betrieb war, Abfall von der Magnesit AG (feuerfeste Steine, heute RHI Magnesita) in Radenthein über den Berg ins Drautal, wo Heraklith-Platten daraus gemixt wurden.

Daneben auf einem Grundstück lag Rundholz gestapelt. Manchmal machten auf diesem Platz auch Zigeuner für ein paar Tage Rast. Auf diesen Rundhölzern sehe ich meinen kleinen Bruder vor mir, wie er von Stamm zu Stamm hüpft und einem Jungkätzchen nachjagt, das er nie erwischte. Später bekam er einen Hamster, der in seinem Rad bald einem Infarkt zum Opfer fiel. Kein Wunder bei dem Tempo, in dem er darin herumfetzte.

Als ich nach München zog und schon „groß“ und selbständig war, bekam ich eines Tages ein Kätzchen von jemandem geschenkt und erinnerte ich mich an die Sehnsucht meines Bruders. Zwei Wochen später wollte ich nach Kärnten fahren und es ihm mitbringen. Ich versorgte es jeden Morgen, bevor ich ins Gloria-Büro nebenan ging, mit frischer Milch. Das Kätzchen versorgte mich allabendlich mit frischer Katzensch… oder schpeibe. Ich war verzweifelt und ratlos. Das Viecherl auch.

Eines Tages stand mein Nachbar vor der Tür, der mir bis zu dem Zeitpunkt nur dadurch aufgefallen war, dass er seinen Dackel „Herr Schmidt“, mit dt, rief. Er stand vor mir, mit dem Kätzchen im Arm, und sagte: Wenn das noch EINMAL vorkommt, bringe ich es Ihnen nicht mehr zurück! Sie war durch irgendeine Rohrverbindung von meiner in seine Wohnung gelangt und er war – zu Recht – entsetzt. Ob ich mit dem armen Ding nach Kärnten fuhr, hab ich vergessen, aber das war erst Versuch Nr.1. Den zweiten startete ich später in Salzburg. Da wohnte ich mit meinem Bruder zusammen und die Überlebenschancen für die Nachfolgerin, in Anlehnung an Herrn Schmidt „Frl. Moser“ getauft, standen daher wesentlich besser.

Frl. Moser war ein wunderhübsches Knäuel mit flauschigem schwarzweißem Fell. Wir nahmen es überallhin mit, auch zum Winterurlaub ins Bauernhaus nach Altaussee. Ein Freund, der es auf den Arm nahm, sagte: Du, das ist aber kein Fräulein! Fortan hieß es nach seinem Entdecker Karli. Bis ans Lebensende mit 21 Jahren verschönte Karli unserem Papa noch viele Jahre.

Aber Herwig konnte auch nicht ohne Katzen. So bekamen wir eines Tages ein schwarzes Pärchen geschenkt. Lange überlegten wir Namen, Daphne, Phöbe, alle möglichen altgriechischen Namen fielen meinem intellektuellen Bruder ein. Keiner wollte mir so recht gefallen. Bis ich eines Tages den Vorschlag machte: „Brunner & Brunner“. Das war ein Brüderpaar aus dem Murtal, auch flauschiges Haar, und gerade in der Schlagerszene sehr in. Mein Bruder musste über den Vorschlag so lachen, dass er ihm glatt zustimmte. Und wenn sie nicht gestorben wären, so lebten sie noch heute.

Die zweibeinigen Brunner & Brunner haben sich vor Jahren schon getrennt. Der eine schnulzt jetzt mit Simone.

© Margret Moser 2020-01-19

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