Campieren & Grillen

Eine geniale Kombination! Weltweit gibt es 45.000 Arten, in südlichen Ländern werden sie auch Zikaden genannt. Sie sind immer da, auch am Tag. Da werden sie aber überlagert, z.B. von Laubbläsern. Nachts kommen sie dann voll zur Geltung.

In diesem Fall sind sie auch meiner flüchtigen Paddelbekanntschaft erstmals richtig aufgefallen. Er ist sonst nicht so. Nur ich bin so. Wir saßen beim Schpritzen, er Weißwein, ich Aperol. Und da entspann sich ein angeregtes Sommergespräch. Er googelte und las mir so manch interessantes Detail vor. Ich hatte mir in der Nacht davor, lange wachliegend, Gedanken gemacht zum Inhalt der Gespräche von Grille zu Grille. Was die da die ganze Nacht zu bequatschen haben. Ob diese Sprache wohl jemals erlernbar sein würde. Grillen sind ja anscheinend nicht nur nachtaktiv, sie quatschen Tag und Nacht. Und da wär doch mal interessant zu erfahren, was die sich da pau-sen-los zu erzählen haben.

MfP erfuhr, dass es sich um Laute zur Anziehung von Grillinnen handelt. Klar, hatte ich schon vermutet. Auch die Herren Griller werden, mit Ausnahmen natürlich, nicht die voll tiefen Gespräche führen in einer lauen Sommernacht an der oberen Adria.

Da ich seit Jahren schlecht schlafe, habe ich in jeder Ecke meines Lebens diese Ohrstöpsel (heuer sonnengelb, passend zu den Nägeln). Ich kann blind die Hand ausstrecken und tapse irgendwo in Silikon. Aber sie helfen nicht. Auch nicht hoch dosiert. Man hört sogar den Wecker durch!!! Eindeutig eine Schwachstelle. Wir beschlossen also, uns an diesem Abend weiterhin, so lange wie möglich, gepflegt zu unterhalten. Mit Hilfe von Huawei und, anlassbezogen, zum Thema Insekten, speziell Grillen und Zikaden. Unglaublich, was da im Netz an Informationen lauert. Seitenweise murmelte MfP sich weiter, erhob gelegentlich die Stimme. Eine dieser Erhebungen ließ mich tatsächlich aufhorchen: Grillen arbeiten auf der Frequenz von 5 bis 25 Hertz!!! Da ich viele Jahre beruflich u.a. mit Lawinenpieps und GPS-Geräten zu tun hatte, fuhr ich bei dem Wort Frequenz aus meinem Halbschlaf auf und nuschelte „Ma, voll interessant, hearst!“

Als ich dann so weit war, dass ich sagen konnte, dass ich vom Glas den Bodensee, gingen wir schlafen. Ich griff nach den Stöpseln, einfach wieder mal probieren, wertfrei (auch so ein Lieblingsausdruck von ihm). Und was soll ich euch sagen? Die Grillen waren weg, alle 45.000, auf einen Schlag. Ein voll cooler Frequenzbereich.

Wenn ihr jetzt glaubt, ich bin 14, weil ich so oft das Wort voll verwende: Voll daneben! Im Gegenteil! Ich liebe es einfach. Es drückt so voll viel aus. Voll krass, dass man mit voll wenig Worten so voll viel sagen kann.

Und jetzt freu ich mich schon auf’s Einschlafen. Keine Grillen mehr, nur mehr Hunde, Tauben, die Schnellstraße SR232 und der Raucherhhusten aus Garmisch-Partenkirchen. Ach ja, und der Campanile. Aber nur zu jeder vollen Stunde. Gott sei Dank gastiert das Waldkäuzchen nicht in Aquilea, eher im Raum Grado. Buona notte und Salve!

© Margret Moser