Camping auf Türkis

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Camping auf  Türkis | story.one

Wie meine Follower seit „Opa im Steinbruch" wissen, bin ich derzeit auf türkis. Das können mir weder die österreichische Politik noch die schwedischen Trendscouts, die mir alle Fuxminuten eine andere Farbe verkaufen wollen, vermiesen. Türkis macht mich glücklich. Bestimmt ist Griechenland vorwiegend türkis - und blau. Tja...die Farben können sicher nix dafür.

Meine Liebe zum Campieren stammt aus den 1950er Jahren in Döbriach, als die „Roten Falken“ am See ihr Sommerlager aufschlugen – und ich von weitem mit unglaublichem Neid zuschauen musste. 5000 waren es wirklich einmal, da war bei uns ein Weltkongress. Alle 5000, so viele fesche Buam dabei, gingen abends nach dem Baden an unserem Haus vorbei zum Adeg einkaufen und Postkarten fladern. Das war ein Leben, noch heute sehe und höre ich diese quirlige Prozession an mir vorbeiziehen. Nur Meter entfernt - und doch unerreichbar.

Und dann: LAGERFEUER! Gibt’s was Schöneres, als sich die Gummistiefel im Feuer anzusengen, weil man gedankenverloren in ein Augenpaar auf der anderen Seite der Flammen starrt? Meiner flüchtigen Paddelbekanntschaft hat das damals ausnehmend gut gefallen, die rauchenden Stiefel. Heute sieht er das gar nicht mehr so locker. Da muss ich sogar zum Marsh Mallows-Grillen den Feuerwehrhauptmann einladen. Gott sei Dank wohnt der nebenan.

Wenn wir campieren, fängt der Tag heute so an: Schpotzl, soll ich zum Frühstück die „Schön, dass du da bist!“-Servietten nehmen? Da macht er dann einen auf Niavarani: Naa!!! Mir warn liaba die „Leck mi‘n Oasch“-Servietten! Dazu hol ich noch die türkisen „Enjoy Your Day“-Untersetzer für den frisch gestressten Orangensaft. Dafür schneuzt er sich dann genussvoll in die "Schön, dass du da bist!"

Mein Vater nahm dazu im 100sten Lebensjahr die "Salzburger Nachrichten"-Wochenendausgabe. Ein heimlich intellektueller Schneider, mein Papa.

Mit dem Kajak fing auch das Campieren an. Vorher war Keller im Sommer, ungeheiztes Zimmer im Winter. Später 11qm-DoZi im Studentenheim. Manchmal 4-er-Belegung. 70cm-Matratze. Wenn er auf's Klo ging, wurde es gemütlich. Und dann mußte ich eh zur Altenglisch-Vorlesung hinaus ins kalte Grazer Wintersemester.

Meine flüchtige Paddelbekanntschaft hatte ein Zelt. Problem: Keine Steckdose für den Fön. Die Liebe machte es möglich. Er erzählte es im Freundeskreis, ein Teil des Kreises, Kurtl, schon lange nicht mehr unter uns, fladerte eine Kabeltrommel. Nur für 's Wochenende. Am Sonntag brachte er sie zurück.

Ich bin Campingfan geblieben. Das schönste Hotelzimmer, 1001-Nacht in Marokko mit im Mondlicht glänzendem Swimmingpool, gibt mir nicht so viel wie Campieren. Eines Nachts allein in einem winzigen Zelt auf einer „Maasai Walking Safari“ hatte ich ein Gefühl von Geborgenheit, wie ich es „im richtigen Leben“ nie empfunden habe.

Keine Ahnung, woher das kommt. Vielleicht war ich doch in einem früheren Leben ein Tuareg. Ein He-Tuareg. She muss ja daheim sitzen mit den anderen Damen.

© Margret Moser 29.08.2019