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Coronar Gschichtln

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Coronar Gschichtln | story.one

Eigentlich wollte ich meine im 68. Lebensjahr unerwarteter Weise begonnene Spätkarriere als „Schriftstellerin“ nach der 170. Geschichte beenden. Aber die wunderbaren Anekdoten, die jetzt täglich hereinpurzeln, werden dieses Vorhaben etwas verzögern. Einzigartig ist, was wir jetzt zwischen den Hiobsbotschaften auch an Positivem und Lustigem erleben. Hier nur die Auslese einiger Stunden:

Unser jüngstes Enkelkind zieht sich hübsch an zum „Schulgehen“ ins Wohnzimmer. Ein anderes macht sich ein Jausenbrot. Das Enkerl vom steirischen LH Schützenhöfer fragt die „Frau Landeshauptmann“: Hast du einen Schlüssel für den Spielplatz, Oma? Auf der Tauplitz treffen spanische Urlauber ein. Wie haben die das geschafft, zu Fuß über die Pyrenäen, in diesen Tagen? (Ich weiß, das ist die andere Richtung!)

Solche Geschichten dürfen nicht im Altpapier-Container einfach entsorgt, auch nicht mit dem Corona-Sturm, der gerade über uns hinweg zieht, verweht werden. Sie müssen auf einer CD ins Universum, bevor alles im Schwarzen Loch verschwindet. Inkl. „I sing a Liad 4 di“, und von mir aus auch Mozart, Beethoven, Helene. Die ganze Bandbreite.

Mit den Wahnsinns-Geschichten, die jetzt im Netz kursieren, muss unbedingt auch eine CD-Rom-Sammlung angelegt werden, oder a fetter Stick, das überlasse ich ganz den Fachleuten, mit eigenem Riesen-Ordner zum Thema Klo-Papier. Da drauf kommt der bulgarische Bauer, der mit einem Traktor aus dem 19. Jahrhundert seinen Acker bestellt. Ihm folgt die Frau und setzt Klopapierrollen. Dazu das Foto vom Schaufenster aus dem Londoner Stadtteil "Saudi" Kensington, in dem neben Diamantcolliers auch eine WC-Rolle zum Preis von 200 Pfund angeboten wird.

Diese Kreatitivät haut mich täglich um. Riesen-Dank an all die Typen da draußen, denen sowas einfällt! Sie leisten in diesen Zeiten Übermenschliches zur Stabilisierung unseres Immunsystems und geben unserem Leben die Farbe, die wir jetzt dringend brauchen.

Aus Russland krieg ich auch Schmankerln. Ein Video mit einem Ballett, Ärzte und Krankenschwestern ganz in Weiß, Masken, Schutzanzüge und - Schwimmflossen! Sie tanzen in einem typischen Kulturnij Dom ein "CoRondo" zu einer bekannten kaukasischen Melodie. Nicht ganz so lustig, aber doch auch a bissl: Eine Freundin aus Wolgograd meldet, bei ihnen sei alles in Ordnung. Kein einziger Fall in ihrer Stadt, im ganzen Land nur 65 Infizierte! Auf meine Frage, warum dann die Grenzen dicht gemacht und die Schulen geschlossen würden, meinte sie, ja, das käme ihr auch irgendwie komisch vor.

Auch sonst tut sich Unglaubliches. Ich habe zum ersten Mal, seit ich nicht verheiratet bin (das sind immerhin fast 37 Jahre), meine Fake-Holz-Brotdose mit Essig ausgewaschen. Dabei habe ich auch die Lebensmittelmotte, die anscheinend jahrelang ein einsames Single Dasein bei uns geführt hat, aus ihrer Quarantäne entlassen. Sie hat sich offensichtlich gefreut und fröhlich gewunken, bevor sie aus dem Fenster flog.

© Margret Moser 2020-03-19

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