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#krampus#geschwisterliebe

"Da Novak“ kummt !!!

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"Da Novak“ kummt !!! | story.one

Gestern Nacht, bevor das Melatonin zu wirken anfing, fiel es mir ein. Bei uns kam am 5. Dezember immer "Da Novak“, ein Kleingewerbetreibender aus Dellach.

Jedes Jahr „verzottelte“ er sich und schwang sich samt Nikolaus auf seine Vespa (wir sprechen von Mitte/Ende der 1950er Jahre) und verbreitete am Ufer des Millstättersees großen Schrecken. Auch Döbriach suchte er heim. Tage vorher schon steigerten wir uns in eine regelrechte Novakomania hinein.

Wir versammelten uns beim SPAR. Der war damals noch im Ortskern. (Was ist das, Mama, ist das was zum Essen?). Der SPAR hieß damals auch anders, nämlich Lackenbucher. Und der hatte nicht nur zwei fesche Söhne sondern war aus dem Weltall auch nicht zu sehen. Wenn heute unser weltberühmter Astronaut Viehböck noch einmal die Erde umrunden „tat“, würde er neben der Chinesischen Mauer auch die signalrote SPAR-Filiale Döbriach sehen. Damals war aber noch die Zeit der Einzelhändler, deren Firmenname identisch war mit ihnen selbst. Identität, wohin hast DU dich eigentlich geflüchtet?

Na ja, jedenfalls waren wir auf höchster Erregungsstufe, wenn es am 5. Dezember dunkel wurde. Da wuselten wir dann um den Lackenbucher herum. Wenn "Da Novak" um die Kurve hörbar wurde durch Auspuffknattern, Kettengerassel und Glockenklang, stoben wir mit lautem Gekreisch in alle Richtungen. Ich immer in Richtung Lackenbucher-Kassa im Eingangsbereich. Die Kassiererin war mir wohlgesonnen und ich schlüpfte flink in ihre Kittelfalten.

Wenn "Da Novak" genug Schrecken am Hauptplatz verbreitet hatte, fuhr er, langsam und nach allen Seiten mit seiner Rute drohend, die Seestraße hinunter. Wir hinterher. Er konnte mit seiner Vespa nämlich nicht schnell umdrehen, so dass wir uns relativ sicher fühlten hinter ihm.

Nicht jedoch die bedauernswerten Kinder VOR ihm , die schon vorher Reißaus genommen hatten und – jedes Jahr wieder -in die falsche Richtung geflohen waren. Darunter mein armer Bruder, der auch noch ein halbes Leben jünger war als ich, nämlich so um die 3, 4, 5.

Ihn fand ich eines Tages fix und fertig unter dem Küchentisch von Frau Palle. Wie alle in einem 700-Seelen-Dorf war auch sie eine Bekannte unserer Mutti. Ihre Kuchl war zwar unweit der großelterlichen, aber Herwig bevorzugte die Palle-Kuchl.

Als ich ihn dort fand, strömte mir ein wenig adventlicher Geruch entgegen und die Körpersprache meines Brüderchens sprach Bände. Ich nahm ihn an der Hand und wir zottelten nach Hause, wo Mutti die Spätfolgen des Novak’schen Terrors beseitigte.

Mir hingegen bereitet die Erinnerung an diese jährliche Heimsuchung auch heute noch nur angenehme Wonneschauer. Ich fand den Krampus immer more sexy als den Nikolaus, trotz seiner Äpfel & Nüsse. Ich schrieb sogar einen meiner schönsten Aufsätze über den Krampus. Der letzte Satz lautete etwa: Und erst gegen Mitternacht, ins wohlig-warme Bett gekuschelt, hörte ich die letzten Glockentöne in der Ferne verklingen…Meine Deutschprofessorin "Pregi" war entzückt.

© Margret Moser 2019-11-28

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