DER GROSSE GATSBY und die kleine moser

Um eure Erwartungen nicht allzu hoch zu spannen: Nein, Robert Redford hab ich leider nicht kennen gelernt.

Aber wenn ich mich an meine Filmzeit in München erinnere, so wie jetzt an die Geschichte mit Florinda Bolkan, wird diese Gehirnregion offenbar wieder stark angeregt. Obwohl es nun schon über 40 Jahre her ist, erinnere ich mich dann lebhaft an kleinste Vorkommnisse. Die für mich, das kärntnerische Landei, so klein natürlich nicht waren. Und so lange es noch Menschen gibt, die sich an die Personen, die ich schildere, erinnern können, muss ich das jetzt zu Papier bringen.

Es war im zweiten Jahr bei GLORIA-Film. 1974. Mein Freund, mit dem ich nach München „emigrierte“, war nach Österreich zurückgegangen und setzte sein BWL-Studium fort. Zur großen Freude seiner Eltern, die mit der älteren Frau (ich war 1 Jahr älter als er, fast schon 24!) eh keine große Freude gehabt hatten. Sie waren auch erzkatholisch. Aus Südtiroler Bauernadel.

Meine Eltern kamen, bald nachdem er mich verlassen hatte, zu Besuch in meine schöne Wohnung am Englischen Garten, die ich mir nach seinem Abgang nicht leisten konnte. Aber ich legte immer großen Wert auf schöne Wohnungen, aß dafür lieber nichts. Was für die Figur kein Nachteil war.

Die Eltern schauten mir an jenem Abend stolz zu, wie ich „große Toilette machte“. Millenials, das hieß damals so. Hatte nichts mit Klo zu tun. Ich mascherlte mich auf, aber auf tutti!!! Für meinen neuen Freund, den Chefredakteur von BRAVO. Ein junger, fescher Bursch, der mir tatsächlich seit kurzem „den Hof machte“. So sagte man damals. Eigentlich befanden wir uns noch im Vorhof. In der BRAVO nannte man das alles bestimmt ganz anders. Aber vielleicht hat Vorhofflimmern ja ein bisschen auch damit zu tun.

Michael holte mich also ab. Im langen Kleid schritt ich mit ihm die lange Show-Treppe des „Mathäser Filmpalastes“ hinauf. Zur Deutschland-Glamour-Premiere des Films „Der Große Gatsby“. Damals wurden auch Filmpremieren noch als große Rummelveranstaltungen mit ganz viel Prominenz inszeniert. Auch noch mit vielen wirklichen A-Promis, wenn man so will. Wie bei uns am Opernball, da gehen ja auch noch ein paar Hochkaräter und -innen hin jedes Jahr. Glaub ich, find ich schon.

Jedenfalls, ich genoss den „Walk " in HIGH heels. Damals beherrschte ich den noch. Ganz langsam. Wir ließen uns Zeit. Oben angekommen, volles Foyer. Schon von weitem schrie eine Dame und stürzte sich entzückt, mit weit ausgebreiteten Armen, auf uns. Nein, auf ihn. MICHAEL!!! Mein LIIIEBER! Deshalb erinnere ich mich auch noch so genau an seinen Namen.

Sie fuhr mit ihrem rechten Arm zwischen Michael und mich hinein, umschlang ihn mit ihrer Federboa wie eine Boa constrictor und bedeckte ihn mit Küssen. Ich war total unvorhanden! Sie spürte mich nicht einmal, obwohl sie mich in ihrem 20er-Jahre Fummel energisch zur Seite schob. Unglaublich. Das „Seelchen“ des deutschen Films, so ganz ohne Seele. Für mich. Ich sage abschließend nur zwei Worte: Maria. Schell.

© Margret Moser