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#familie#bruder#enttäuschung

Da Nikolaus is a Schwein

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Da Nikolaus is a Schwein | story.one

Schwein war für mich als Kind das grauslichste, womit man die Nachbarskinder beschimpfen konnte. Für den Nikolaus schon eher grenzwertig. Aber wir empfanden es so, wie ihr gleich lesen werdet.

Die Geschichte begab sich in einem kleinen Kärntner Dorf. Es wohnten darin „heilige“ Familien, die immer fleißig in die Kirche gingen. Und es gab auch weniger heilige wie unsere. Vater M. pflegte zu sagen: „Mei Kirch’n is da Wåld“. Und Mutter M. meinte: "I geh liaba in die Kirch'n, wenn I allan bin."

Die Eltern M. hatten zwei Kinder. Die gingen ganz gern in die Kirche. Das Mädchen war mit 7 schon „verlobt“ und manchmal gelang es ihr, in der Kirche einen Platz neben ihrem Verlobten zu ergattern. Dann fühlte sie sich wirklich wie im Himmel. Sonntags konnte sie das neue Kleid ausführen, das sie von den Sommergästen bekommen hatte, und beim „Großer Gott, wir loben dich“, zur Orgel gesungen, rieselten ihr wohlige Schauer über den Rücken. Kirche war ganz OK.

Der Höhepunkt war für die Geschwister der 6. Dezember, Nikolaus. Sie saßen immer ganz vorne, damit sie gleich losrennen konnten. Er stand da in all seiner Pracht. Vor sich einen riesigen Korb mit Packerln. Eine ganze Messe lang starrten sie auf diesen Korb. Endlich übergab der Pfarrer das Wort an den Nikolaus. Und dann Jahr um Jahr folgende Szene:

Der Nikolaus hielt eine „Standpauke“, wurde milder, gab dann zu, dass wir eigentlich eh alle ganz brav waren so im Jahresdurchschnitt, sonst wäre der Korb wohl nicht so gut gefüllt. Griff hinein, holte Packerl heraus, las die Namen vor und sogleich stolperten rotbackige Burschen und schüchterne Mädchen über den roten Sisalteppich und bremsten scharf vor dem Nikolaus ab.

Der Korb wurde leerer. Der Name des Mädchens war nie dabei. Sie hatte sich daran gewöhnt. Ihr war das auch klar, es musste sich in allerhöchste Sphären herumgesprochen haben. Das mit der Verlobung.

Der Name des Buben wurde jedes Jahr aufgerufen. Und jedes Jahr stürzten gleichzeitig zwei Herwige nach vorn. Der eine bekam immer das größte Packerl. Der andere stand jedes Jahr in seinen jägergrünen „Pumphosen“ vor dem Nikolaus und schaute ihn erwartungsvoll, dann fassungslos an. Auch dem Nikolaus war es jedes Jahr ein bisschen peinlich, er schaute noch einmal ganz genau nach, drehte die verbliebenen Packerln um, aber er fand kein zweites mit diesem Namen.

Der Bub lief beschämt und irritiert zurück an seinen Platz. Das Mädchen dachte immer: „Daß ICH nichts krieg, seh ich ein. Aber mein Bruder? Sicher, er kann ein ziemlicher Hundling sein, reißt mir die Haare schippelweise aus, stempft gern gegen meine Schienbeine, einmal hat er meine ganze Bazooka-Kaugummi-Schauspielerbildchen-Sammlung zerrissen, aber gegen den Winter hin wird er wirklich erträglich. Für ein kleines Packerl müsste es reichen. Doch der Nikolaus hatte nie was für ihn in seinem großen Korb.

Als ich das im Erwachsenenalter unserer Mutti erzählte, war sie zutiefst betroffen. Aber sie hat wieder alles gut gemacht, später….

© Margret Moser 2019-10-24

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