Lowassa - The Watchman

Als ich dieses Foto sah, wusste ich, dass ich mich wieder einmal auf die Socken machen musste. Ich sah es auf der Homepage von "Africa Amini Alama" der Wiener Juristin und Ärztin DDr. Christine Wallner. Es ist der Name ihres Projektes in Momella, Tansania, und heißt in etwa "Afrika, ich glaube an dich".

Momella wurde bekannt durch die Dreharbeiten zum Film „Hatari“ mit John Wayne und Hardy Krüger. Krüger verliebte sich dabei in Afrika und kaufte nach Abschluß des Drehs die Lodge. Was daraus geworden ist, beschreibt er sehr spannend in seinem Buch "Eine Farm in Afrika".

In der Hatari Lodge lernte Frau Wallner, auf der Suche nach einem Platz für ihr Lebensprojekt, Charles kennen. Er zeigte ihr einen riesigen Baum, rundherum nichts. Sie wusste sofort: Das ist es, hier bleibe ich. Und da steht es jetzt, das großartige Projekt einer ebensolchen Frau, die im Alter von 65 nach Afrika ging und im Laufe von 7 Jahren ihr gesamtes Vermögen investierte. Ich sah Christine Wallner im Fernsehen, nahm Kontakt auf. Buchte. Und wäre vielleicht gleich geblieben, wenn ich nicht Familie in Österreich hätte. Es hat mich sofort gepackt.

Um interessierten Menschen die Möglichkeit zu geben, das wunderschöne Land um Momella und ihre Projekte kennenzulernen, hat sie auch eine Maasai Lodge bauen lassen, ein kleines Dorf von etwa 10 Manyattas mit Restaurant und Pool, auf einer kleinen Anhöhe, wo rundherum nichts ist außer Leere und Stille. Von dort aus hat man den Eindruck, dass ganz Tansania einem zu Füssen liegt.

Die Bomas der Maasai sind kaum zu sehen. Sie verstehen sehr viel von landschaftsangepaßter Architektur.:). Nur morgens und abends sieht man in großer Entfernung Herden von Ziegen oder Schafen mit ihren kleinen Maasai-Hirten heimwärts ziehen, dazu ganz leises Glockengebimmel.

Die Lodge ist von Maasai gebaut, mit Materialien aus der Umgebung, und von Frau Wallner mit sehr viel Geschmack und "Pep" eingerichtet worden. Ich bewohnte alleine eine riesige wunderschöne Manyatta. Jeden Abend brachte mich ein Watchman in völliger Dunkelheit ins Haus, leuchtete mit einer Stablampe in jede Ecke und unter die Betten, und sagte dann immer mit breitem Grinsen: No lion, Msabu!

Der Mann auf dem Foto war der erste Watchman auf diesem Hügel, schon währends des Baus, zu einer Zeit, als es eigentlich noch nichts zu watchen gab. Jede Maasai-Boma hat einen solchen Watchman, der Tag und Nacht auf seinem Posten steht. Manchmal auch einschläft.

Ich sagte ihm, er wäre schuld, dass ich nach Afrika gekommen bin. Er lachte verlegen. Für Maasai-Verhältnisse ist er mit Mitte 40, genau weiß das niemand, ein alter Mann, ohne Familie. Und eine Frau meines Alters, die noch ihre Manyatta verläßt, ist etwas völlig Abartiges.

Als ich dann allerdings erzählte, dass ich aus der Boma komme, wo Arnold Schwarzenegger seine Manyatta hat, leuchteten seine Augen auf. Ich war plötzlich etwas Besonderes und wurde dann vom gesamten Personal schon von weitem begrüßt mit "Mama Shoshinigga".

© Margret Moser