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#paddeln

Meine Geschichte von der Lieser

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Meine  Geschichte von der Lieser | story.one

Während meiner Gymnasialzeit in Spittal a.d. Drau bin ich 8 Jahre an der Lieser vorbeigefahren. Vom Bus aus sah man gut hinunter auf die Wildwasserstrecke. Damals war der Fluss noch nicht verbaut. Aber interessiert hat mich das Ganze Null. Ja, die bunten Boote, hübsch anzusehen. Dass ich im hohen Alter von 30 selber damit anfangen würde, war nicht abzusehen.

Paddeln sollte man in einem Alter beginnen, wo man sich nix sch….ert. Wo das Wort Gefahr noch ein Fremdwort ist. Dann kann man richtig gut werden, wenn man es überlebt. Das war mir nicht gegönnt bzw. gegönnt, ersteres bzw. zweiteres.

Als ich es in Wildalpen erlernte, so recht und schlecht, hörte ich immer wieder, mit welchem Respekt die guten Paddler von der Lieser sprachen. Sie war damals unter Experten bekannt. Vier Mal haben dort Weltmeisterschaften stattgefunden. Dank Google weiß ich wann: 1961, 1963, 1965 und 1977. Die letzte WM gewann der Grazer Gerhard Peinhaupt, der uns später als Sportchef beim Land Steiermark die Durchführung der Kajak Rodeo WM 2003 als Godfather of Paddling ermöglicht hat.

Einmal die Lieser fahren war auch für uns ein Ziel. Meine flüchtige Paddelbekanntschaft, einer der Vernünftigeren in unserer Gruppe, konnte das lange hinauszögern. Oft genug musste er Freundinnen von Freunden herausfischen, wenn es brenzlig wurde und die Kurzzeitgefährten damit zu tun hatten, sich selbst ans Ufer zu retten. Er wollte mich nicht verheizen und mich erst einmal „herrichten“.

In unseren ersten Jahren befuhren wir verschiedene Flüsse in Österreich. Ich war immer enttäuscht. An die Salza mit ihrem Smaragdwasser kam kein Fluss heran. In Slowenien dann die Soca. Blau, so blau, unglaublich blau! So muss es im Paradies aussehen, dachte ich. Liquid Paradise.

Am Lech zog es mir einen Turnpatschen aus in einem Strudel. Nur einen! Schön blöd. Und einmal schwamm uns ein riesiger Bernhardiner nach. Er wollte wahrscheinlich „spielen“. „Meiner tut nix, er will nur spielen.“ Sicher schon gehört, diesen Satz. Wir wollten allerdings nicht spielen, besonders Arnold nicht, der ein Hundetrauma hat, seit der familieneigene Hund beim Autofahren mit ihm um die Wette geschpieben hat.

Die Bregenzer Ache haben wir gar nicht gefunden bzw. die Stelle, wo man aus dem Zug aussteigen kann und gleich einbooten. Die Geleise waren bereits sehr stark "begrünt". Erzählen wollt ich aber von der Lieser.

Irgendwann Ende der 80er Jahre war ich dann soweit „hergerichtet“. Wir waren ein paar Männer und ich. Ich war aufgeregt, fühlte mich aber gut beschützt. Beim Einstieg sah ich drei Frauen so um die 60. Der Sprache nach aus'm Boarischen. Ich dachte: Na, wenn die alten Weiber die Lieser fahren, dann werde ich das wohl auch schaffen. Hab ich dann auch. Aber: An der Ausstiegsstelle haben wir dann mit den Damen ein bisschen geplaudert und sind draufgekommen, dass sie den Fluss in jungen Jahren einmal als WM-Teilnehmerinnen befahren hatten. Da wurde mir nachträglich noch ganz kalt, trotz Neoprenanzug.

© Margret Moser 2020-08-22

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