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Die Psyche der Frau

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Die Psyche der Frau | story.one

Die Psyche (altgriechisch ψυχή ‚Seele‘) kann als ein Ort menschlichen Fühlens und Denkens verstanden werden. Sie ist die Summe aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen. Im Gegensatz zur Seele umfasst die Psyche keine transzendenten Elemente.

In der Medizin geht man heute von der Annahme aus, dass Körper (Physis) und Geist (Psyche) nicht grundsätzlich voneinander unabhängig sind, sondern sich gegenseitig beeinflussen können (Psychosomatik). Obwohl im allgemeinen Kontext auf Menschen beschränkt, wird gelegentlich auch bei Tieren von einer „Psyche“ gesprochen. Soweit Wikipedia.

Jetzt wieder ich: In den 1950er Jahren, in meiner Kindheit, hatte meine vielgeliebte Tante Hanna, eine sehr hübsche Frau mit einem sehr unglücklichen Leben, wie ich später erkannte, eine Psyche. Das war ein Möbelstück. Es stand im Schlafzimmer. Eine Kommode mit einem aufgesetzten großen Spiegel. Darauf Haarbürste, Kosmetikartikel, Frisierumhang, Parfum-Flacon, solche Dinge.

Frau saß davor, besonders des Abends vor dem Zubettgehen, kämmte sich die langen, glänzenden, schwarzen Haare, entfernte das Kollier und schaute gedankenverloren, verträumt oder -zückt, traurig oder sonst wie in den Spiegel. In Kriminalfilmen trat dann gerne im Spiegelbild eine dunkle, meist männliche Gestalt auf, sah in etwa aus wie Cary Grant, und legte seine schwarz behandschuhten Hände um den zarten Hals der Dame im Negligé.

Ja, Negligé. Auch SOWAS von Fünfzigerjahre. Meistens ein zartrosa, auf jeden Fall duftiges bodenlanges Gebilde mit Rüschen am Boden und am Hals. Dazu eine Satinschleife, die der Mörder auch manchmal als Tatwaffe gut gebrauchen konnte. Dann steckte er den Revolver ins Sakko und bediente sich der geräuscharmen Variante.

Eigenartig nun, wie der Möbeltischler, der erste Mann, der die erste Psyche für den Außenbereich der Frau schnitzte, zu dieser Bezeichnung kam. Wenn jemand dazu mehr weiß, bitte melden. Es ist wirklich etwas, das mich seit langem beschäftigt.

Szenenwechsel. Mein Papa wuchs auf einem Berg über dem Millstättersee auf. Als meine flüchtige Paddelbekanntschaft in unser aller Leben trat, lockerte er Papa manchmal mit einem Glaserl Roten auf. Er, der große Schweiger, wurde dann gesprächig und erzählte plötzlich Anekdoten wie die folgende:

Er hatte da oben einen Freund. Eine Art Dorian Gray muss das gewesen sein. Auch ohne Spiegel. Im Tal, das schon von deutschen Sommergästen entdeckt war, hatte er Männer mit lockigem Haar gesehen. Scharnow-Reisen, eine frühe TUI-Version. Vom Bus holte Opa sie im eigenen Wägelchen und Namenstafel am Hauptplatz ab.

Dorian wollte auch Locken, hatte aber keine Lockenwickler. So behalf er sich mit Spagat. Schnitt einige Stücke, machte das Haar nass und band die Spagatteile im Abstand von etwa 1 cm über’s Haupt und unter dem Kinn zu. Da saß er dann in der Sonne und ward gelockt für einige Tage. Der hätte sich über eine zweite Psyche wohl auch sehr gefreud.

© Margret Moser 2019-12-07

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