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#abenteuer#film#metoo

Die Weinsteinzeit

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Die Weinsteinzeit | story.one

Auch Harveyozän genannt. Eine neue Zeit bricht an, Eisberge brechen ab. Polkappen schmelzen. Schwere Zeiten für Eisbären, aber auch harte Zeiten für Schweinehunde. Aus gegebenem Anlass, er wurde ja gerade (noch) nicht verurteilt, möchte auch ich meinen bescheidenen Beitrag zu dem Thema leisten. Versprecht euch aber nicht allzu viel davon.

Ich habe 4 Jahre beim Film gearbeitet, aber der GLORIA-Weinstein hat meine Freundin bevorzugt. Die war größer (er war ein 2m-Lackl), hatte einen großen – noch alles echt-en Busen und, wie ein Mann mir einmal sehr bildlich schilderte: einen hohen Wasserfall, also lange Beine.

Als wir einmal zu dritt im Lift waren, in einem sehr engen, hat er sich intensiv um sie gekümmert, aber mich keines Blickes gewürdigt. Wir beide kamen gar nicht auf die Idee, uns darüber bei irgendwem zu beschweren. Ich war froh, dass er mich verschmähte. Die Freundin war geschmeichelt.

Er hatte gerade eine Oscar-Nominierung für den Luchino Visconti-Film „Der Garten der Vinzi Contini“ bekommen und war eine große Nummer, auch international. In den Google’schen Annalen wird er als Produzent gewürdigt, der als einziger einen Stern am „Walk of Fame“ in Hollywood bekommen hat. Wann immer ich konnte, schaute ich mir die Oscar-Nacht an. Da saß er immer ganz vorne und sekundenlag ruhte die Kamera auf seinem Gesicht.

Mich selbst hat er, wie gesagt, nicht auf seine Couch gebeten. Wir hatten auch gar keine bei der GLORIA. Aber ich seh ihn heute noch an meiner Freundin herum arbeiten. Seine Spezialität war, mit den Fingern in den Ohren zu bohren. Viel mehr war im Lift auch nicht möglich. Ich beanspruchte ja auch einen gewissen Platz, und eh Mann sich`s versah, waren wir im 6. Stock. Der Herr ist mittlerweile 93 Jahre alt und hat wohl nichts mehr zu befürchten.

Wie gesagt, ich bin, bis auf eine Attacke als Au-pair Girl in London, veschont geblieben. Diese war auch nicht sehr dramatisch, im Nachhinein gesehen. Ein offener BadeMANtel, der versuchte, mir von hinten zu erklären, wie ein echter englischer Frühstückstoast geht. Gewatscht hab ich ihm keine, war zu verstört und perplex. Aber seine Frau hat mir dann abends – fast – eine „gescheuert“, bevor sie mich zur Haustür „geleitete“. Was musste ich es ihr auch brühwarm erzählen, ich stupid young bitch!

Ja, und der Rebbe Shlomo natürlich, dem ich ein eigenes Buch gewidmet hab „Der Rebbe kommt um 2 Uhr nachts“. Aber der hat mich nur durchs Telefon belästigt.

Bin gespannt, was Menschen in ein paar hundert Jahren über das Weinsteinzeitalter, das Frühe Harveyozän, erzählen werden. Es wird, hoffe ich, als bedeutendes in die Geschichte eingehen. Aber schauma mal, was die Donna Rotunno noch alles anrichtet. Die toughe Staranwältin sagt ja, und das hat auch was für sich: Wenn man nicht sexuell belästigt werden will, geht man eben nicht alleine mit jemandem auf sein Hotelzimmer.

Ich möchte noch ergänzen: Wenigstes nicht mit so einem grauslichen, schmierigen Typen. (Oje, unter der Gürteltierlinie?)

© Margret Moser 2020-02-24

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