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#singen#gitarre

Draht’s die Frau Lauda!

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Draht’s die Frau Lauda! | story.one

Gleich eingangs eine Entschuldigung: Bitte nicht böse sein, dass ich euch mit diesem Titel in meine Geschichte hereingelockt habe. Ihr habt gedacht, ich schreib über eine der Frauen von Niki Lauda. Na, würd ich mich nie getrauen. Es geht um etwas anderes. Bitte um etwa 2300 Buchstaben lang Geduld.

Nach einer niederschmetternden Liebeserfahrung mit 30 schnitt ich mir Gott sei Dank nicht die Pulsadern auf oder die Haare ab sondern die langen Fingernägel. Damit schlug ich zwei Fliegen auf einen Schlag. Der zweite war, dass ich eh schon immer Gitarre spielen wollte, aber mich nicht entschließen konnte, meine schönen Nägel dafür zu opfern. 1981 war ich dann reif dafür.

Ich suchte mir einen feschen jungen Gitarre-Lehrer, fand ihn alsbald, schwarzgelockt, Flamenco! Der begleitete mich in ein Musikgeschäft und suchte ein sehr schön klingendes Instrument für mich aus. Ich musste bei Null beginnen, kam aber bald drauf, dass man mit ein paar Griffen schon ganz nette Liedln spielen konnte. Elvis hat das ja vorgezeigt.

Ich begann mit den Beatles, Let it be, let it bihi, und ging dann gleich über zu einem 13-strophigen russischen Volkslied, „Steppe, Steppe ringsumher“. Ein Kutscher, der ewig durch die Steppen kutschieren muss und nie heim kommt. Und irgendwann wird ihm dann ganz entrisch, er meint, der Tod würde sich nähern. Da gibt er seinem Kumpel den Auftrag, seine Frau aufzusuchen und ihr den Ehering zurück zu bringen mit entsprechenden verbalen Traurigkeiten. Dieses Lied wurde zu meiner Signation.

Damit quälte ich Freund und Feind, bis ich am Lagerfeuer in Wildalpen eines Tages den traf, "der mit Holzlöffeln tanzt". Von dem Tag an sang ich nur mehr, das tut auf den Fingerspitzen nicht so weh. Und zu jenem u.a. auch Gitarristen, meiner heutigen flüchtigen Paddelbekanntschaft, zog ich eines Tages nach Graz. Wir sangen und spielten, was das Zeug hielt.

Einmal brachte er einen Freund mit, dem gerade eine Band abhanden gekommen war. Wir probten einige Wochen so vor uns hin und der Freund meinte eines Tages, ob wir nicht mit ihm auf der Grazer Messe spielen wollten. Da gab es einen Wein-Stand, vor dem standen immer Wein-Trauben von Menschen, weil es da Live Musik gab. Wir sagten zu.

Von dem Tag an, wenn ich das Wort Messe nur hörte, egal in welchem Zusammenhang, bekam ich augenblicklich einen Reizdarm. Je näher die Messe kam, umso schlimmer, man hörte ständig Werbung dafür im Radio.

Zum Auftritt zog ich mein Jeans-Kostüm mit dem langen Volantrock an, dazu eine rot-blau-weiß karierte Cow Girl-Bluse und Lederstiefel. Ich sah tatsächlich aus wie eine Country-Lady. Ich war wie gelähmt, als wir ankamen. Vor einer dicken Buche auf einem kleinen Podest nahmen wir Aufstellung. Namen hatten wir keinen.

Als die Musik anfing „On the Road Again“, packte es mich, ich nahm ur-cool das “Mike“ in die Hand - alle Angst war weg! Als dann nach diesem Song ein Mann aus dem Publikum forderte „“Draht’s die Frau lauda!, fiel ich aber fast doch noch in Ohnmacht. Vor Freude.

© Margret Moser 2020-02-05

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