Florinda war sauer

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Florinda war sauer | story.one

Wieder einmal "Glamour": 3 Jahre Presse-Abteilung, danach überraschend vom Chef zur Nachfolgerin gekürt. Er war die große Nummer. Mit Millionenbudgets hatte er die James Bond-Filme zu Rennern gemacht. Flog z.B. mit 200 Journalisten auf die Bahamas. Nun war er alt (Ende 50), bekam sein Gnadenbrot in der gerade von Amerikanern übernommenen GLORIA. Mit den Amis ging es steil bergab.

Schon bei der ersten Produktion verpulverten sie ihre Dollars. „Noch ein Ass im Ärmel“, Roger Moore, Omar Sharif. Bei Dreharbeiten am Arlberg ließen sie es krachen. Das Ass floppte. Danach musste der Boss aus der New Yorker Bronx kleinere Bagels backen.

Bei der Deutschland-Premiere von „Uzala“ in Frankfurt hatte ich mich wohl ganz gut angestellt, wurde promoviert. Chef ging zur BUNTEN, wo er mehr verdiente und sich weniger über mickrige PR-Budgets ärgern musste. Ich war dran, Chefin und Sekretärin zugleich, ohne Gehaltserhöhung.

Die Gehaltserniedrigung kam Monate später. Dazwischen erlebte ich einiges. Mit alten Männern in dunklen Vorführräumen z. T. grottenschlechte Filme schauen, auch unter der Gürtellinie liegende, mich beim Antrittsbesuch im STERN von zwei alten Hasen unter den Tisch saufen lassen. Oder mich gegen die „Mentorship“ eines BRAVO-Redakteurs wehren.

Ein schwarzer Tag: Vittorio de Sica's "Una Breve Vacanza", Florinda Bolkan, in der BRD wenig bekannt, nur als Geliebte von Richard Burton. Grandiose Schauspielerin. Der Film auch großartig, aber nichts für das Publikum der 70er-Jahre. Traurige Geschichte einer Frau in einer Lungenheilanstalt in den italienischen Bergen. Zur Erholung vom gewalttätigen Ehemann. Verliebt sich.

Ich sollte einen großen PR-Wirbel inszenieren. Um wenig Geld. Mir fiel nichts anderes ein als eine schöne, seriöse Pressekonferenz. Kein Schwein interessierte sich dafür. Wenn überhaupt, dann nur exclusiv. Schließlich sagte ich „meinem“ Lieblingsjournalisten, dem Paul Sahner von der tz, zu. In Nachrufen wurde er als „Gottvater der Intimbereiche“ bezeichnet. Aber er war einer, dem die Prominenten zu Recht vertrauten. Er schrieb auch Künstlerbiographien, Bee Gees, Rod Stewart, The Who, Pink Floyd.

Bevor Florinda Bolkan aus Rom einflog, rief Schwager Willy Bogner an, Ski- & Mode-Legende. Frau Sonia war die Schwester. Ich erzählte vom Exclusiv-Interview mit Sahner. Er fiel durchs Telefon vom Stuhl und aus der Rolle, verbal. Ich erklärte ihm, natürlich schonend, dass in München kein Hahn nach Florinda krähte, Sahner mein absolutes Top-Angebot. Dann müsse er eben selbst ran, wenn ich schon nichts zusammenbrächte! Warf den Hörer auf die Gabel. Er brachte auch nichts zusammen.

Am nächsten Tag saß ich mit einem verärgerten W.B., einer vor Zorn ihre Nüstern blähenden F.B. und einem freundlich-gelassenen P.S. (später hatte er eine Fernseh-Talkshow „...aber bitte mit Sahner!) im "Mövenpick" und hätte mich am liebsten unter den Tisch saufen lassen.

Das geht aber nicht bei einem Traumjob.

© Margret Moser 13.02.2020