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#haarshampoo#gendern

Nivea For Men

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Nivea For Men | story.one

Natürlich beschäftigen uns jetzt alle die großen Fragen, ob wir nun Virologen, Politologen, Ornithologen sind oder einfache Silver & Golden Agers.

Die Frage, wann wird es einen Impfstoff geben gegen dieses heimtückische Nichtviech? Wann muss ich meine Schwiegermutter wieder küssen? (Blöder Schmäh, ich weiß, aber wichtig für die Quote.) Wie oft muss ich mir bis dahin noch die Hände waschen? Aber mich beschäftigen auch schon wieder profanere Dinge.

Wie heute unter der Dusche zum Beispiel. Ich greife nach dem Haarshampoo und lese da, trotz mit ohne Brille, deutlich den äußerst diskriminierenden Hinweis „For Men“! Das ist mir bisher gar nicht aufgefallen, denn da standen alle möglichen Gefäßchen herum auf meiner Etagère. Die sind jetzt aber alle weg, ausgezuzzelt. Aufgebraucht. Die Regale lichten sich dramatisch.

Und zum "dm" darf ich nicht. Mein besorgtes und auch schon etwas betagteres Schpotzl läßt mich nicht. Ich brauch dich noch, sagt er. Mei, liab, denk i. Und frag so nebenbei – fishing for compliments, wißt's eh: Aah, fier wos brauxtn du mi, ha??? Er: No jo, zum Beischpül zum Puggl krotzn. Maa, bitte!!! Aber er hat ja Recht, mein Gebieter! Es is zwar a bissl wenig romantisch, grad in dieser schwierigen Zeit tat i a bissl mehr Zuwendung brauchen. Aber Ehrlichkeit is a a ganz großer Wert, find i. Wer waß, vielleicht sogar Mehrwert!

Und do follt mir, wie i holt bin - immer a bissl Anthrazit im Gemälde - der Rock Hudson ein. Der fesche Riesenlackl aus Hollywood. Alle haben wir die Doris Day beneidet. Ganz verstanden hab ich’s nie, dass er auf diese fade, blitzblanke, 4711-deutsche Kölnisch Wasser-Hausfrau mit der Betonfrisur steht, aber mei… Eine kleine Chance hätte ich mir da schon ausgerechnet, wenn ich näher und länger an Hollywood dran gewesen wäre. Und vor allem früher.

Auf jeden Fall war der schöne Felsen (Rock), wie man dann erfahren musste, eines der ersten AIDS-Opfer. Im Krankenhaus hat er sich nichts sehnlicher gewünscht, als einen Menschen, der ihm den Buckl kratzen würde. Echt, das hab ich in einer Doku gesehen. Alle, auch die Krankenschwestern, die ihn vorher sicher nicht ihrer Couch verwiesen hätten, hatten dann Angst vor ihm. Armer Hund. Also, jetzt wißt ihr, was ich meine.

Na gut. Zum "dm" darf ich derzeit nicht. So werde ich mich über meines weitgereisten und hochgebildeten, italo-, franco-, anglo- und sogar ein bißchen russophilen Bruders Haarshampoo-Sammlung aus den Mittelklassehotels dieser Welt hermachen, bis der Spuk vorbei ist.

Und danach wende ich mich unverzüglich an die Menschenrechtskommission in Den Haag. Die soll das mit den männlichen und weiblichen Haarschampoos klären. Und zwar fix. Und auch gleich das ganze dazwischenliegende Spektrum behandeln. Mit zwei Shampoo-Geschlechtern kommen wir nämlich schon längst nicht mehr aus. Die hinken da schon wieder jahrzehntelang hinterher.

Stimmt’s, Alice? Und du, Conchita? Dos is dir doch eppa nit Wurscht? Seitz dabei, bei meiner Shampoo-Petition?

© Margret Moser 2020-04-13

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