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#familie#enkelkinder

Goggegan, bitte komm!!!!

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Goggegan, bitte komm!!!! | story.one

Wir stehen mit unseren dreijährigen Zwillingen am Maschendrahtzaun, hinter dem sich ein Hühnerstall befindet. Diesen Spaziergang machen wir jeden Montag, wenn es das Wetter erlaubt. 6 Jahre lang. Bis zum Schuleintritt. Wir haben ein Sackerl mit Maiskörndln dabei, die wir den beiden in die Patschhändchen schütten und dann beginnt der Run der Pipihendis. Rasch sind alle Körndl verfüttert. Opa liefert nach.

Der Bub steht immer wie gebannt am Zaun, die Hendln pecken ihn gelegentlich in ein Fingerchen, aber was ihm wirklich zu schaffen macht: Der Hahn kommt NIE! Was ihm jede Woche den sehnsuchtsvollen Ruf „Goggegaan, biiitte, komm!!! entlockt.

Kostbare Augenblicke, die allzu schnell vergingen. Unzählige Anekdoten, hier nur ein paar Schmankerln. Erste Haltestelle, noch vor den Pipihendi, ist eine kleine Feldkapelle. Wir schauen immer durch das Gitter hinein zum Altar und sagen Hallo Jesus, hallo Maria! Erstmals schaut A. die Figur bewusst an und sagt: Jesus, schauta traurig. Rum? Ich überleg, sag dann: Weil sie ihm weh getan haben. Er darauf: Hatta g’rauft?

Urlaub in Döbriach. Morgens Kuscheln in unserem Bett: Augi-Opa, die Teichi-Oma tinkt! Und er setzt noch eins drauf: Nicht gut riecht! Dabei kam die „Wolke“ eindeutig aus Richtung der Windel des weiblichen Zwillings. Aber noch Tage danach verzieht er bei meinem Anblick sein Gesicht. Auf die Frage: Wer bist denn du? sagt er eine Zeitlang immer: I bin da Kämpfer. Und wer ist die A? Fwefta heift Mädi. Manchmal, ohne offensichtlichen Zusammenhang, kommt er unter dem Tisch hervor und sagt: Ich bin der Bruder.

Einmal meint er: Eichi-Oma, die A. sagt immer Kornpitz. Ich frage: Und wie sagst du? Er schaut mich entrüstet an und sagt: Kornpitz! Jahre später, als beide schon lesen können, sehen wir am Millstätter See in einer Bäckerei einen großen Hinweis auf verschiedene Spezialitäten, unter anderem gab’s da auch Kornpitz.

Auf der Fahrt vom Kindergarten nach Hause wird oft viel gerangelt, wer zuerst aus Opa’s Wasserflasche trinken darf. Schließlich bleibt Opa stehen und sagt scharf: Aussteigen! Alle!!! Grabesstille. Nach einiger Zeit fährt er weiter und A. sagt kleinlaut zum Schwesterchen: Paßt ålls?

Vor dem Kindergarten steht eine Skulptur. Sehr verlockend zum Hinaufklettern. Ich denk mir: Was hat sich der Bürgermeister dabei gedacht? Ich bin im Wigl-Wågl, ob ich dem Buben verbieten soll, sie zu erklimmen. Er erkennt das an meiner Mimik. Ich sage: Der Bürgermeister wird sich nicht freuen, wenn du da herumturnst. Er: I sieg åba kann Biergermasta. Siegst du an? Nå eben!

Bei einem Bauernhof sieht er einmal, wie ein Stier auf eine Kuh aufspringt und ruft mit erhobenem Zeigefinger: Nicht raufen, nur spielen!!! Mit 5 meint er: Englisch kann i bessa als Italisch. Wir spielen Hotel. Ich bin die Directrice. A. wird von mir zum Chefkoch ernannt, holt Tupper-Sachen und rührt um. Plötzlich zappelt er: Oma, Oma, kannst du kurz Oma sein? Ich muss aufs Klo!

Ich hoffe, ich kann noch lang Oma sein...

© Margret Moser 2020-01-14

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