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#freundschaft#abenteuer#paddeln

Hearstes raschln, Schpotzl?

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Hearstes raschln, Schpotzl? | story.one

Wenn er das sagte, wusste ich, was es geraschelt hatte. Wildwasser im Anmarsch.

Wenn man paddeln lernte in den 80er Jahren in Wildalpen, machte man einen Kurs. Teuer. Was man da alles brauchte! Boot, Spritzdecke, Neoprenanzug, Neopren-Füsslinge, Schwimmweste, Helm, Paddel. Dazu die Kursgebühr. Essen und trinken musste man ja auch, die Abende am Lagerfeuer waren lang. So blieb es bei einem einzigen Kurs. Das mit dem Aufbaukurs hatte sich dann meistens eh erledigt. Es gab genug Paddellehrer, die sich dem weiblichen Nachwuchs mit pädagogischer Hingabe widmeten.

Ich war allerdings unglücklich verliebt und es ging nix eini. Zwei Jahre lang! Bis zu jenem denkwürdigen Moment, als ich eine flüchtige Paddelbekanntschaft machte. Er übernahm auch meine Aus- und Weiterbildung, auf sehr umsichtige und frauenfreundliche Weise. Das heißt, er husste mich nicht in gefährliche Situationen hinein. So blieben mir mehr oder weniger tödliche Erlebnisse erspart und die Freude am Paddeln erhalten.

Das erste Mal sagte er den Satz vor den „Brunner Wellen“, längerer Schwall, lebhafte Wellen, kein Kehrwasser zum Ausrasten oder Verschnaufen. Konzentration war angesagt. Hearstes raschln? bedeutete: Aufrecht sitzen, Konzentration, langer Hals , Hindernisse erspähen, die günstigste Route zu erkennen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich alles nach dem Motto „Augen zu und durch“ gepaddelt. Das Glück war mir hold, geschwommen bin ich oft. Ich hatte die fatale Angewohnheit, Hindernisse direkt anzusteuern. Das sieht für Außenstehende toll aus. Insider sehen sofort: Die hat KEINE Ahnung! Das Wasser macht mit ihr, was es will.

Er schrie oft hinter mir her, aber da war ich schon mitten drin. Und in Angriffstellung. Wenn es nicht so laut geraschelt hätte, hätte man auch gehört, wie ich mit den Wellen "sprach": Kumm her du Sau, dipackiano! Mi haust du siha nit um, mi nit!! Ich schrie mich in Rage, damit ich meine Angst nicht so laut hörte.

Beim Wort rascheln bekam ich sofort Bauchgrimmen. "Bitte, sog mir nit, wos kummt, des is ma vülliaba!" Er kannte jeden Stein, ich wußte noch nach Jahrzehnten nur den Namen des Flusses, auf dem wir grad waren. Bis auf eine Stelle: Der Lawinenschwall. Jedes Frühjahr anders, bis auf zwei mächtige Felsen in der Mitte.

Ausgerechnet im ersten Jahr gab es da einen Toten, genau an dem Wochenende, als ich anfing. Das kriegt man nicht weg. Wir stiegen oft aus und besichtigten die Stelle. Wenn ein Klo in der Nähe gewesen wäre… So aber musste ich Jahr für Jahr da durch. Die Salza ist kein Problem, a Dreier, WW 3; wenn die Angst mitfährt oder das Wetter grimmig ist, sieht es anders aus. Wie beim Skifahren.

Aber "meine Buam" haben immer auf mich aufgepasst. Einmal ist einer sogar ausgestiegen, auf der Koritnica in Slowenien, und hat mir einen Felsbrocken aus der Bahn gerollt, weil er gemeint hat, der würde mir nicht so gut zu Gesicht stehen. Wunderbare Erinnerungen! Danke an euch alle, die mich über 30 Jahre auf Händen über’s Wasser getragen haben!!!

© Margret Moser 2020-02-21

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