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Heerbeert???

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Heerbeert??? | story.one

Opa, kann man dich noch angfressener machen? Kann man dich nennen Heerbeert? Ein verschmitztes Grinsen lag auf dem Antlitz unseres etwa 9-jährigen männlichen Zwillings A.

Eines gemütlichen Winterabends in Kärnten im Kreise unseres Patchworks kam die Frage nach unseren zweiten Vornamen auf. Ich eröffnete mit Maria, nach meiner Omi. Als Firmungsname bekam ich den der Heiligen Katharina, weil Magdalena schon vergeben war. Ich wollte heißen Margret Maria Magdalena Moser. Später, wenn überhaupt, wollte ich ein 5. M dazu heiraten. Maserati z. B., Margret Maria Magdalena Moser-Maserati. Viele Vokale, wenige Konsonanten. Kein u. Das waren die Kriterien. Moser sollte er tunlichst auch nicht heißen, fad. Es hat sich kein Maserati gefunden. Ich schwör jetzt schon lange auf Peugeot Partner TP. So spielt das Leben.

Omi und Mutti hatten sich für Margret entschieden. Damals war aber bei uns im Dorf die Welt noch eine Scheibe und der Standesbeamte nicht gewillt. So verpasste er mir ein 2. a plus th. Seither bin ich gespalten. Heute wäre nicht einmal bei Namen wie Coca Cola Exit Nordost oder Ho Tschi Minh Pfad mit nennenswertem Widerstand seitens eines Standesbeamten zu rechnen.

Finde ich auch wieder nicht so toll. An die Kinder denkt auf jeden Fall niemand in diesem frühen Stadium. Der tiefsinnige Song von Johnny Cash „A Boy Named Sue“ schildert, wie ein Vater seinem neugeborenen Sohn einen Mädchennamen verpasst, bevor er ihn verläßt. In der Hoffnung, das würde ihn hart machen für's Leben. I tell ya, life ain’t easy for a boy named Sue."Training on the job" for a job called “life”.

Bei Margret ist allerdings blöd, dass da 2 r drin sind. Im digitalen Zeitalter kann das durchaus schnell zu Blockaden und Verschwörungstheorien führen. Wenn zum Beispiel eine e-mail nicht und nicht durchgehen will, geraten sämtliche Server weltweit unter Verdacht, dabei fehlt meist nur ein r. Sehr schön fand ich immer Marguerite, ich hielt mich deswegen immer gern in Frankreich und Nordafrika auf.

Zum Ausgangspunkt. Opa outete sich ungern, aber die Kinder pressten ihm die Wahrheit regelrecht aus den Rippen: HERBERT!!! Lautes Gelächter aller Anwesenden. Herbert, ausgerechnet! Wie konnte das passieren? Jedenfalls ersuchte der Zwillingsenkel um Erlaubnis, den Opa in Zukunft nennen zu dürfen Heerbeert! Um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen, kaufte ich beim OBI einen Zollstab mit diesem Namen; Arnold war aber auch tatsächlich ausverkauft.

Das Messinstrument Herbert liegt nun in Döbriach, gut sichtbar von der Fernsehcouch aus, einfach so herum. Wenn der Enkel A. ankommt, rennt er eini ins Wohnzimmer, schaut hin, dann auf den Opa, verschmitzt sich total im Gesicht, und sagt... NICHTS!!! Aber es zerreißt ihn fast.

Namen sind NICHT Schall und Rauch. Nomen sind Omen. Schicksal. Lust und Last. Ein Leben lang. Jetzt z.B., in der Goldbunker-Affäre einer Ö. Folkspartei heißt der Hauptakteur Nepp. Danke, Herr Nepp! Wenn das keine schöne Schlußpointe ist!

© Margret Moser 2019-11-12

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