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#reisen#abenteuer#sinai

I steh auf da Saf - im Sinai!

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I steh auf da Saf - im Sinai! | story.one

Danke, Flaco, du hast mich erinnert an eine Begebenheit…

2004, Jahre nach meinem Arschtritt aus dem Berufsleben, der mir ein Jahrzehnt prallster Lebenszeit geschenkt hat, hab ich einen weiteren Traum umgesetzt. Kameltrekking im Sinai. "Duft der Berge". Ein Erlebnis, obwohl nur eine Woche, für einige Geschichten, die hier noch folgen werden.

Diesmal nur das Ende: Ankunft im Hotel in Dahab. Dusche nach einer Woche Staub. Und i steh auf da Saf, aber nicht lange. Mit stark überhöhter Geschwindigkeit fuhr ich mit meinem linken Arm in die Steinfliesen, wimmerte laut auf, umfing blitzartig wie ein Schraubstock mit meiner rechten Hand den linken Arm, dort wo die Hand an ihm befestigt ist. Und dann einmal eine Zeitlang vor und zurück gebeugt, und gewinselt. Irgendwann stand ich auf, rief nach meinem „Führer“, dem „Nomade auf Zeit“-Karl, von dem auch noch ausführlicher die Rede sein wird. Er versorgte mich mit Traumeel, meine erste Begegnung mit dieser sympathischen Salbe.

Da ich aber nun schon einmal in Dahab war, weltberühmt für Tauchen, bunte Fische, Korallen, Hotel direkt am Strand, lieh ich mir Flossen und eine Taucherbrille aus. Das Anziehen der Flossen, mit einem Arm und auf einem Bein stehend, war eine Herausforderung, sagt man heute. A real challenge sagt man auf deutsch. Den Karl bzw. meine drei anderen ReisebegleiterInnen wollte ich nicht um Hilfe bitten. Die hätten mich vielleicht für deppert gehalten. Das Schnorcheln ging dann eh gut.

Beim Ausstieg sah ich im flachen Wasser einen langen schwarzen Schlauch liegen. Gartenschlauch war das keiner. Ein fragender Blick auf ein einheimisches Pärchen, das gerade vorüberging, bestätigte mir diese Vermutung. Sie sagten nur VERY DANGEROUS! Da hatte ich dann für diesen Tag wirklich genug.

Die Nacht fuhren wir im Taxi durch die Wüste nach Kairo, der Arm war kein Problem, ich hielt ihn die ganze Zeit im Arm, wie ein zufriedenes Baby. Zu Hause sagte Mutti nach zwei Tagen: Lass ihn dir wenigstens amal röntgen! Hab ich dann gemacht: Doppelter Bruch. Ich bekam einen roten Gips, passend zur Rubashka aus Moskau.

Der Arzt fragte: Wer hat denn diesen Bruch so schön eingerichtet? Mein Schraubstock, dachte ich. Sagen konnte ich nicht, wo und wie das passiert war, denn ich war zu dem Zeitpunkt beim AMS gemeldet und hab ihnen von meiner Traumerfüllungserfüllung nichts erzählt. Die müssen ja nicht alles wissen. Sonntagskind, wie ich anscheinend bin, war der Clou der ganzen Sache noch der: Ich bekam ein Monat Krankengeld und der AMS-Bezug, der eigentlich zu Ende war, ging dann auch noch um diese 4 Wochen weiter.

Falls jetzt der Eindruck entstehen sollte, dass ich eine Sozialschmarotzerin bin: I sicha ned!!! Ich hab immer gern, viel und fleißig gearbeitet, hatte immer tolle Jobs, mehr als nur Jobs. Aber ich bin halt immer auch der Meinung gewesen: No risk, no fun. Kann auch in die Hose gehen. Doch ich hoffe, dass auch für mich die Unschuldsvermutung gilt und hier vor allem die Verjährungsfrist greift.

© Margret Moser 2019-08-01

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