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Die HEIMgeschichte!

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Die HEIMgeschichte! | story.one

In „Wie ich zum Film kam“ habe ich angedeutet, dass ich Graz am 6. August 1973 Hals über Kopf verlassen mußte. Dazu bekam ich einen Kommentar: Ich will die HEIMgeschichte!! Meine story.one-Kollegin schrieb, dass sie an dem Tag meiner "Emigration" 15 Tage (in Worten: TAGE!!) alt war. Also, Piri, hier ganz speziell für dich:

8. Semester, Juli, drückend heiß. Die meisten Studenten hatten das Schubert-Heim gleich neben dem Uni-Hauptgebäude schon in Richtung Ferien verlassen. Im "Mädchen-Stock" waren nur noch Lilian Mitterer und ich. Sie wurde später eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin, Lilian Faschinger. Einer ihrer Romane wurde in 17 Sprachen übersetzt.

Ich wollte über die Ferien in Graz bleiben und im September die große Russisch-Übersetzer-Prüfung ablegen. In meinem 11qm-Zimmer beherbergte ich auch alle Bücher meines Bruders und die meines Freundes. Ich hatte nur einen schmalen Korridor vom Bett zum Waschbecken, der noch begehbar war. Landkarte ausbreiten war schwierig. Bruder war beim Bundesheer, der Freund besegelte bereits den Ossiacher See.

Da blieb plötzlich meine Regel aus. Sie, die immer auf die Sekunde kam! Ich konnte die Uhr nach ihr stellen! Pünktlich vormittags um elf fühlte ich einmal im Monat einen winzigen Nadelstich. Das war‘s. Keinerlei Beschwerden sonst. Daher beunruhigte mich das von der allerersten Minute an.

Nach ein paar Tagen holte ich den Segler zurück. Ich vermutete, dass er irgendwie beteiligt gewesen sein könnte an dieser Verspätung. Er kam. 70cm breit war das Bett. An Schlaf war nicht zu denken. Das Heim war mittlerweile voll amerikanischer Musikstudenten, AIMS, die seither jeden Sommer, heuer zum 50. Mal, nach Graz kommen und in den Straßen der Innenstadt musizieren.

Lernen ging gar nicht. Wir verbrachten die heißen Tage im nahegelegenen Margarethen-Bad. Er war voll locker, ich voll angespannt. Vier Wochen ging das so. Dann die Erlösung. Nie wieder hab ich mich über ein paar Tröpfchen roter Flüssigkeit so gefreut!! Ich schlief seit Wochen wieder einmal durch. Am Morgen kam der blaue Brief. Kündigung. Innerhalb von 48 Stunden mussten wir weg sein.

Zu Lilian, der später vielfach ausgezeichneten Literatin und Übersetzerin, brachte ich wichtige Bücher und die Kaffeemaschine. Viel konnten wir in der kurzen Zeit nicht wegschaffen, ohne Auto, und vor allem, weil alle SPAR-Bananenschachteln, für Umzüge so praktisch, in weitem Umkreis „ausverkauft“ waren.

Die Nacht weinte ich durch. Er schnarchte durch, bis ich um 2h früh ungestüm an ihm rüttelte und verkündete: Morgen fahrma nach München! Er grunzte nur und drehte sich um. Am Morgen kaufte ich am Standl am Geidorfplatz noch schnell zwei „Berliner“, Lieblingssüßspeise meines Bruders, schickte sie in die Khevenhüller-Kaserne nach Klagenfurt, mit schriftlicher Anweisung zur Erstversorgung unserer Eltern mit beschwichtigenden Falschinformationen.

Gegen 16h nahm uns an der Autobahnauffahrt ein Porsche mit ins neue Leben!

© Margret Moser 2020-03-22

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