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The Russian Tea Room

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The Russian Tea Room | story.one

Ich hatte keinen Job und sehr wenig Geld. Ein bisschen musste ich aber essen und trinken jeden Tag. Das mir verbleibende Restgeld bis zum Rückflug nach Wien hatte ich auf eine Bank gelegt. Die lag in der Nähe des Nobelhotels Plaza Ecke Fifth Ave und Central Park, gehörte dann Ivana Trump. Sie bewirtschaftete es für 1 Dollar Gehalt pro Jahr.

Im Bank-Foyer goldene Abstandhalter mit dicken weinroten Cordeln und ein schwarzglänzendes Klavier. An den Tasten saß ein Pianist, der ein bisschen wie Louis Armstrong aussah. Und das war mein tägliches Ritual: Aufstehen, karges Frühstück, Gang zur Bank, wo ich immer zu gepflegter Barmusik einen Betrag von 10.- Dollar abhob. Mehr durfte ich mir nicht leisten. Ich lebte hauptsächlich von Marsh Mallows und ähnlich günstigen, voluminös-süßen Versprechungen. Meine Figur hatte auch schon gut angesprochen. Richtig fluffy war ich geworden in no time!

Einmal schlug ich über die Stränge, gönnte mir ein Falafel, Street Food. Es war mit 2 USD angeschrieben. Vergessen hatte ich die +8% City Tax. Mein Blick muss ehrlich verzweifelt gewesen sein, der Verkäufer verzichtete auf seine gesamten Steuereinnahmen.

Es war Samstag Abend und die Dinge standen schlecht. Würde Klaus Everhurtinger singen. Ich wusste, der Sonntag würde lang und leer. Aber, so ist NYC auch: Aus heiterem Himmel lud mich ein alter weiblicher Schweizer Engel zum Mittagessen ein. Einfach so. Ich sah die Dame vorher und nachher nie mehr. Sie stand plötzlich wie aus dem Boden gewachsen vor mir im „Mother of the Good Council“. Dort hatte ich, schon am steil absteigenden Ast, in den letzten 2 Wochen mein Quartier um ebenfalls 2 Dollar pro Nacht. Weil das Zimmer gar so karg war, kaufte ich mir noch ein Tisch-Set und eine Tasse. An diesem Tag konnte ich auch nicht viel essen. Aber trinken, und das gepflegt. Löskaffee.

Einen großen Wunsch hatte ich dann noch. Ich wollte unbedingt einmal Tee im weltberühmten Russian Tea Room trinken, gleich neben der Carnegie Hall, wo ALLE Berühmtheiten, die dort auftreten, nach der Vorstellung opulent bis dekadent dinieren. Da ich mir zum Tee kein „Petit fürchen“ leisten konnte, kaufte ich vorher in einer Konditorei ein größeres Teil und schlang es gierig hinunter. Ich glaub, ich hab auch Spuren davon noch im Gesicht getragen, als ich mich in ein zierliches Polstersesselchen im RTR quetschte und ehrfürchtig den Tee bestellte.

Und damit ihr wisst, wo ich da gesessen bin, jetzt noch ein bissi Wikipedia:

NYC's Most Beloved and Iconic Restaurant is a treasured, globally renowned cultural institution where people of all ages and backgrounds have been having unforgettable dining and celebratory experiences for 92 years. Founded by the Russian Imperial Ballet in 1927, our beloved establishment remains a sanctuary of fine cuisine and elegance and a bastion of delectable, decadent, glamorous fun. Join us for a luxurious, world-class experience of unparalleled quality and exceptional value.

Yes, I did it!!! молодец!

© Margret Moser 2020-07-01

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