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#reisen#abenteuer#kleidung

Keine klare Linie

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Keine klare Linie | story.one

So wie Coco Chanel zum Beispiel. Oder meine Freundin Marie. Das Kleine Schwarze, zum Frühstück ebenso tragbar wie zum Gala-Diner und im Home Office. Nur leicht abgewandelt bei ihr. Schwarze Hose und Kleiner Brauner.

Ich bin eher Chamäleon. Mir gefällt so vieles, dass ich mich nicht auf einen Typ festlegen kann. Das macht es bunt, aber schwierig. Während Marie mit 12 schwarzen Taschen, 30 schwarzen Leiberln, zahlreichen Kleidern& Schals gut über die Runden, auch Geburtstage, kommt, brauche ich in jeder Farbe des Regenbogens ALLES! Dazu Schuhe. Jacken, Mäntel, Pullover. Unterwäsche. Lippenstifte. Handschuhe. Schals, Tücher, Ponchos, Hüte, Kappen. Clutches. Für die Herren: Abendtäschchen. Muss sein gelegentlich, auch wenn man absolut nichts hineinbringt ausser dem Theaterticket. Für den Rest braucht man einen Begleit(er-)Transporter.

Auf Reisen kommen dazu chinesische Kleidchen, indische Saris, Pundjabische Dresses, eine Art Hosenanzug für Inderinnen aus dem offenbar etwas forscheren Punjab. Wunderbar leichte afrikanische Gewänder. Dazu Maasai und Samburu Shukas, ähnlich aber doch ganz anders. An den Farben zu erkennen, schon von weitem.

Immer bringe ich ein Stück mit aus fern und nah. Einerseits, um etwas von meinem Geld auch im (In)Land zu lassen, andererseits, um Schränke und Truhen zu befüllen für die 7 Jahre der modischen Dürre.

Zur ersten Quarantäne Zoom-Sitzung mit SchulkollegInnen bin ich in Verkleidung erschienen. Man sah nur die Augen. Das war gut so. Und kam gut an. Mit diesem Kostüm war ich auch einmal auf einem Ball. In einer fernen Zeit. Damals konnte man noch raus und sich hineinwerfen ins Getümmel, unvorstellbar! Ich saß in meiner Ganzkörpermaske im dicht gefüllten, auch im alkoholischen Sinne, Höchwirt in Graz. Maskenball des Steirischen Volksliedwerkes. Ich ging als „Lawrence von Arabien“, verkleidet als Tuareg.

Es hatte so an die 80 Grad im Schatten unter meinem Turban. Ich saß neben Gerald Brettschuh. Der war als Brettschuh verkleidet. Ein bekannter Maler. Zerfurchtes Gesicht, sehr hager. Eine asketisch-knorrige steirische Eiche im Beduinen-Slim Fit. Er malt Akte, die aussehen wie Nachkommen von Schiele. Wenn man nicht genau schaut, könnten es auch Bäume sein oder Wurzeln. Wir unterhielten uns gut, so gut es ging. Ich bedauerte, dass mir mein bodenlanges Gewand es verunmöglichte (das Wort liebe ich) mit Brettschuh Polka zu tanzen.

Meine stattliche Sammlung von „Ausländer“-Gewändern war eine Zeitlang das, was unsere Enkeltöchter am liebsten gemocht haben an mir. Oma, darf ich??? Sihalih! Sie kleideten sich 1001 Nacht lang aus meiner Safari-Kiste, schwebten graziös durch den Dachboden, drapierten sich die Kleider in unglaublicher Vielfalt und delikatem Geschmack um ihre mageren Körperchen. Und sahen damit phantastisch aus. Heidi Klum hätte ihre Freude gehabt. Diese Hyäne. Ich hab ihr den Zutritt zu meinem Dachboden aber verwehrt!

So, was war jetzt eigentlich mein Thema?

© Margret Moser 2020-04-24

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