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#freunde#krise#corona

Konschti is weg...

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Konschti is weg... | story.one

Unser Quarantänchen ist gestern ausgezogen. Weiter. Mit Eltern. Die sind Halbnomaden. Künstler. Ich liebe Nomaden. Auch halbe. Jetzt ist sie also weg, die Kleine. Genau so schnell, wie sie über uns gekommen ist. Das Haus ist wieder groß und leer. Und quietscht nicht mehr!

Das fehlt uns. Ihr unglaublich spitzmädisches Lächeln, oder Grinsen? Die Laute des Triumphes, wenn sie eine Stufe in den 1. Stock erklommen hat. Dreizehn sind es. Ich bin jetzt extra nachzählen gegangen. Ich darf auf story.one nur die Wahrheit schreiben. Dreizehn Triumphjauchzer pro Durchgang. Das kann einem schon abgehen.

Es fing alles an an einem herrlichen Frühlingstag des Jahres 2020. Es war der 24. März. Aufgeregter Anruf einer besorgten Mutter, mehr noch, Oma. Wie gesagt, draußen der blühfreudigste Frühling ever. Univ. Doz. Prof. Dr. Johannes Gepp von der Grazer Uni, Vorstand des Naturschutzbundes Steiermark, Schwerpunkt Insekten, nannte es „Angstblüte“. Unsere Kirschen-, Äpfel- und Birnenbäume blühten, als wäre es zum letzten Mal.

Ich saß als alternde Risikofaktorin im gemütlichen Dachboden in Graz und dachte: Die Welt ist tatsächlich sowas von Sch...limm! Ich hier auf meinem sicheren Rentner-Hinterteil (fett kann ich nicht sagen, weil es nicht stimmt und ich – siehe oben – der Wahrheit verpflichtet. Wenn ich länger auf einer Holzbank sitze, fangen mir die Gesäßknochen an zu schmerzen.) – und da draußen ist grad die Hölle los.

Die Jungen müssen raus, Masken nähen und Klopapier einlagern... Und wir sitzen hier drin mit netbanking, whatsapp und youtube, die faltigen Hände im untätigen Schoß bzw. auf der PC-Tastatur. So lange und intensiv habe ich in diese Richtung gedacht, bis tatsächlich der ersehnte Anruf kam. Ich merkte es an der Stimme der Freundin, dass es ihr nicht leicht fiel. Und auch ihre Aufregung war deutlich hörbar. Ihre Tochter samt 10 Monate altem Baby und Vater – die Künstler-Halbnomaden - hatten den letzten Flug aus Mexico City nach Wien ergattert. Nun war ein Dach über dem Kopf gefragt.

Genau daran hatte ich wochenlang geDacht! An unser Elternhaus in Kärnten. Unweit des Millstätter Sees. Wohnlich. Leer. Viele Monate im Jahr. Es schrie nach „Füllung“. Nix wie hin! Win-Win. What else? Anruf in der Gemeinde Radenthein. Telefonat mit Krisenbeauftragtem in Spittal. Langes, erklärendes, flehendes, detailreiches e-mail. Der Krisenmanager meinte schließlich: Prauchma gor nit redn. I hab a zwa klane Kinda daham… Oba mir wern dos mitta Polizei kontrolliern!!!

Am nächsten Tag war „unser“ Jet Lag Baby da und machte die erste Nacht zum Tag. Und weitere. Obiges Quietschen zog ein in unser stilles Haus. In Anlehnung an Loriot: Auch Pandemien haben ihr Gutes.

Loriot sagte das allerdings von Frauen. Auch irgendwie pandemisch. Über die ganze Welt verbreitet. Respektieren auch keine Grenzen. Gell, Konschti? Mach’s gut und such unser wieder einmal heim! Deine nomadisierenden Eltern kannst auch mitnehmen. Und die Oma. Und die Ur-Eva auch!

© Margret Moser 2020-06-08

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