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#enkelkinder#zahnarzt#generations

Laf Oma

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Laf Oma | story.one

Als ich in der vierten Volksschule war, musste ich einmal wieder zum jährlichen Check-up zum Zahnarzt in Radenthein. Das war ein rechter „Fleischauer“, der Gang zu ihm, 4 km entlang unseres Riegerbaches, war eine Qual, die ich mit meinem kleinen Bruder teilte. Das Herz war uns beiden immer schwer. Spritzen konnten sich unsere Eltern nicht leisten. Zahnputzen war ein Fremdwort, die Zahnputzfee noch nicht geboren. Karies all überall. Und Schmerz.

Im Wartezimmer hingen an den Wänden Aquarelle von Tieren mit Zahnweh, ein Hundl mit geschwollener Wange, Geschirrtüchl ums Kinn, am Kopf zusammengeknotet. Ein bisschen tröstlich.

Wie passt aber das alles zum Titel? Auf den ersten Blick gar nicht. Da geb ich euch recht. Wer mich kennt, kennt aber auch schon meinen Schreibstil. Ich fang an bei Adam und Eva, mit irgendeiner Idee, und ende am Ende der A4-Seite bzw. am Ende der mir von story.one zugestandenen 2500 Zeichen. Und dazwischen kommt es zu Gedankengängen. Mehr oder weniger unkontrollierbar, freilaufend.

Aber ein blassroter Faden zieht sich dennoch immer durch. Der Faden in diesem Fall ist die englische Sprache. Ich saß also wieder einmal in der Vorhölle von Medizinalrat DDr. Ebner, ein Kapazunder auf seinem Gebiet. Österreichweit. Sagte Mutti. Gegenüber saß ein Schüler mit einem Buch. Titel „I learn English“. Und da dachte ich so bei mir: No, jo, so schwaar konn dos Englische a wieda niet sein. I konns jo hiaz schon lesn.

Und tatsächlich. Es fiel mir sehr leicht. Im ersten Gymnasiumswinter überwinterte eine alte Tante, so eine richtig alte Jungfer, eine von 6 Schwestern meines Vaters, bei uns. Sie hatte einmal irgendwo ein paar englische Worte aufgeschnappt und erschien uns somit als Fachkraft. Sie war auch gleich bereit, ihre Kenntnisse mit uns zu teilen. So rief sie uns z.B. mit den Worten „Eat go!“ zu Tisch. Ka Problem. Auch unsere Mutti war eine Leuchte auf diesem Gebiet. Sie konnte die Worte: Vonn, tu, srie – und wir lagen vor ihr!

In diese frühe Zeit fühlte ich mich versetzt, als ich eines Tages eine Zeichnung einer von 3 Enkelinnen in unserer Datscha in Döbriach fand, wo die Kinder regelmäßig urlauben. Ein wunderschönes, buntes Blatt, ein Regenbogenhaus und eine Wiese voll Blumen, in der Luft umherfliegende Herzen, abstrahierte Vögel. Im linken oberen Eck die Sonne und daneben der minimalistische Satz „Laf Oma“. Voll verständlich. Das "I" hat wohl einen Job als Grashalm gefunden.

Diese Woche wieder Urlaub. Wir spielen Trivial Pursuit. Diskutieren zwischendurch über die immer unübersichtlicher werdende Anzahl von Omas & Opas, die sich ins Patchwork drängen. Sowas kann man mit ihnen jetzt schon besprechen. Sie entschieden, dass sie uns ab sofort – zur Unterscheidung von den anderen Paaren – Omer und Oper nennen würden. Dann wüssten alle gleich, wer damit gemeint sei.

Herrlich, am Rande so einer Bande beim Wachsen zusehen zu dürfen. Mit Englisch hat das jetzt zwar nicht mehr viel zu tun aber ich hab eh keinen Platz mehr. So sorry!

© Margret Moser 2020-08-02

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