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#freundschaft#abenteuer#newyork

Lambada on 2nd Avenue

  • 200
Lambada on 2nd Avenue | story.one

1988 flog ich mit meiner damals besten Freundin nach New York. Sie hatte sich durch einen Unfall in den Rollstuhl katapultiert.

Als ich sie zum ersten Mal in Tirol besuchte, erzählte sie mir, dass sie im Krankenwagen, der sie in die Reha brachte, Udo Jürgens hörte „Ich war noch niemals in New York“. Und dachte: Ich auch nicht, und dabei wird es wohl bleiben. Ich sagte: Sicha ned!! Kurz nach der Reha saßen wir schon im Flieger. Zu kurz, wir wussten beide nicht, was auf uns zukam.

Schwierige Wochen. Mit vielen wunderbaren Momenten. Nur von diesen will ich hier erzählen. Einer hat sich mir besonders eingeprägt und ich wusste, daraus wird irgendwann einmal one helluva story. Der Titel war klar: Lambada mit dem L. Aber da ich Überraschungen liebe und Schlusspointen, geht das nicht. So heißt die Geschichte etwas anders.

Wir wohnten im „YWCA“ in der East 56th und unternahmen von dort aus unsere Stadtspaziergänge. Einmal waren wir nachmittags in der 2nd Avenue, wunderbar besungen von Barbra Streisand in „2nd Hand Rose“. Es fing an Katzen und Hunde zu regnen, wie man auf Englisch sagt. Wir standen auf der Straße vor einem Lokal. Vor uns die stark abschüssige 2nd Avenue, ein Bach, WW1 (Wildwasser). Ein Umzugsauto fuhr vorbei, zwei junge Leute und am Dach zwei Matratzen, sicherlich nie mehr belegbar.

Hinter uns war der Eingang in ein Kellerlokal. C. sagte: Glaubst du, dass die mir einen Martini auf die Straße servieren? Aber mit Olive, wie by Holly Golightly-Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany". Sicher, sagte ich, und stieg die Stufen hinunter in den Hades. Wir tranken unter dem Vordachl, die 2nd Avenue floss vorbei, und ich sah auf einem kleinen Poster, dass an diesem Abend irische Musik angesagt war. Wir waren pünktlich und trocken Stunden später wieder da.

Es wurde getanzt. Lambada. Jemand forderte mich auf. Ich hatte keine Ahnung von dem Tanz, aber ich tanzte wie Jay Lo persönlich, wie eine Latin Queen, die nichts anderes in ihrem Leben getan hat. Die Füße berührten kaum je den Boden. Das hatte ich nur einmal zuvor erlebt, auf dem Glanzer Kirchtag, hoch über dem Millstättersee. Da hat mich ein Bergler erwischt, der mich auf dem heillos überfüllten Tanzboden immer in die winzigste Lücke hinein gepolkat hat.

Nach Stunden schaute ich wieder einmal nach meiner Freundin, sie tanzte auch. Es ging ihr sehr gut. Kurz darauf ein Knall. Sie war mit dem Rollstuhl umgestürzt. Wir stürzten auch hin. Ich sah, dass C. zu tief in ihre diversen Drinks geschaut hatte. Mein Traumtänzer brachte uns heim, zog sie aus. Während er sie liebevoll ins Bett legte und zudeckte, kotzte sie die Umgebung voll und er wischte simultan alles auf.

Nach getaner Arbeit setzte er sich zu mir aufs Bett. Wir flüsterten noch ein Weilchen. Ich fragte, ob er Krankenschwester sei, weil alles so formvollendet... Nein, mortician. Als alter Lateinerin schwante mir schon etwas. Das Wörterbuch bestätigte meine Befürchtung: Ich hatte den ganzen Abend „Lambada mit dem Leichenwäscher“ getanzt.

© Margret Moser 2019-08-21

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