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#zivilisation

Unterwegs...

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Unterwegs... | story.one

Heute einmal ernster. Ich war so vieles, was ich nicht mehr bin. Und bin doch alles, was ich einmal war. Keine WW-Paddlerin, keine Tochter mehr... Notiz vor einigen Wochen, weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang

Das Land der Erinnerungnen wird größer. Die Gedanken reisen immer öfter in die glorreiche (?) Vergangenheit. Zukunft wird weniger. Gegenwart aufrecht erhalten. Tagesstruktur, dies und das. Nicht unangenehm, dieses Gefühl. Ich bin zufrieden, muss nicht mehr überall dabei gewesen sein.

Bin neugierig. Doch nicht mehr auf alles. Zumindest nicht mehr auf „Events“, so wunderbar und einzigartig sie auch sein mögen, unsere Innenstädte „beleben“. Auch kaum auf News, schon gar nicht Breaking, oder Live Ticker. Oder Life Ticker? Die Uhr tickt jedenfalls. Neugierig auf Menschen, ihre Lebenswege und Geschichten, ja, sehr! Auf Frauenschicksale im Besonderen. In den entlegensten Winkeln dieser Welt.

Diese Gleichzeitigkeit von Steinzeit und Marsmission fasziniert mich. Archaische Rituale dort, schwarze Löcher hier. Mandasi in Samburu, abends am Boden, im Dunklen, in einem verbeulten und verkohlten Gefäß, auf einem Steinzeitofen gebacken. Genau so köstlich wie bei Mutti. Da hießen sie „Hasenöhrln“.

Wäschewaschen am Fluss. Schlafengehen mit den Hühnern. Wenn die Hyänen ihre Nachtschicht beginnen. Licht zum Pinkeln im Freien vom Smartphone oder vom afrikanischen Sternenhimmel. Schatten huschen, unbekannte Geräusche, ein bisschen unheimlich.

Segensgebete von Nkoko (Oma) auf der Heimreise im Range Rover. Aus dem einfachen Handy über ihrer riesigen Perlenkette. Nach jedem Segen schließen wir die rechte Hand zur Faust und murmeln „N‘kai“. Enkai, die Göttin der Maasai und Samburu. Sie wohnt auf dem heiligen Berg, den man von fast jeder Manyatta aus sieht, das Land ist eben und unendlich. Kaum Bäume oder Büsche.

Frauen servieren ihren Brüdern, den jungen Kriegern, das Essen und müssen dann den Raum verlassen. Wenige Flugstunden entfernt diskutiert man seit Jahrzehnten halbe: halbe. Mäßig stolz auf das, was man erreicht hat. U.a. bis zu 39% geringere Löhne für Frauen. Sie machen immer noch die wertvollste aller Arbeiten mit Kindern und Alten. Un(ter)bezahlt. Auf allen Kontinenten. Zu allen Zeiten.

Der „Boda Boda Uncle“ (Boda Boda = Motorrad) hat 5 Frauen und 54 Kinder und viele Tiere. Er sorgt für alle, so ist das Gesetz („des Dschungels“? Oder einfach notwendig im „Outback“, wo es keine UNIQA gibt? Nicht für Mensch und Tier, nicht für Haus und Hof. Vielleicht auch „nur“ anständig und so üblich in der einzigen Samburu-Familie, die ich kenne.).

Berlusconi hat kürzlich seine 34-jährige Freundin für eine Jüngere verlassen. Sorgt er für all die "abgelegten" Damen? Besucht er sie und ihre Kinder samt Hund & Katz gelegentlich, um nach dem Rechten (!) zu sehen? Zivilisation. Was für ein großes Wort! Schon lange her, dass man es ohne Anführungszeichen denken konnte. Das hohe Ross als Wappentier eines ganzen Kontinents.

© Margret Moser 2020-03-30

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