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Meine tragende Rolle im Film

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Meine tragende Rolle im Film | story.one

Apropos 007... Im August 1973 "emigrierte" ich nach München. Im Oktober verkaufte die „Deutsche Filmkönigin“ Ilse Kubaschweski ihr Imperium, die GLORIA-Film, mit allen Kinos, an einen Amerikaner. Den Betrag in den Scheck, er belief sich meiner Erinnerung nach auf DM 5 Millionen, schrieb ich mit der Schreibmaschine in einem Büro am Stachus. Für "1 bis 2 Tage", so hieß es, war ich von einer Teilzeitagentur engagiert: „Können Sie Maschine schreiben und Englisch ?“ Ja, Adlersuchsystem, dachte ich bei mir, aber den Job brauch ich dringend.

Der neue Besitzer, ein gewisser Barney B. aus der New Yorker Bronx, der mit Musikkassetten im Kaufhaus-Lift-Business reich geworden war, kaufte sich mit Hilfe einer US-Bank für die erste Filmproduktion „Noch ein Ass im Ärmel“ Roger Moore, Omar Sharif, Sydne Rome und Karen Black ("Easy Rider", "Nashville"), die 1974 gerade groß im Gespräch war wegen ihrer Rolle als Hure in dem Film „The Great Gatsby“. Dafür bekam sie den "Golden Globe".

Zum jährlichen Filmball im Jänner 1975 im Hotel „Bayerischer Hof“ luden wir „unsere Stars“, und sie kamen tatsächlich alle. Bis auf Adriano Celentano, "Yuppi Du". Aber das ist eine andere Geschichte. Neben „James Bond“ Roger Moore und „Dr. Schiwago“ Omar Sharif sahen die CONSTANTIN-Stars dieses Jahrgangs, die „Zwei Fäuste für ein Halleluja“-Burschen Bud Spencer und Terrence Hill, direkt blass aus.

Mein Chef und ich holten die Stars vom Flughafen Riem ab. Ich übernahm Sydne Rome und ihren unscheinbaren Mann Emilio Lari. Sie war einfach wunderschön, glänzte von innen, die Augen riesengroß und klar, die Lippen voll und vielversprechend, aber auch voller Unschuld. Ich mochte sie sofort und freute mich, dass sie mich bat, ihr Ballkleid etwas aufzubügeln in ihrer Suite im Bayerischen Hof.

Wir hatten die VIP-Lounge gemietet, ARD und ZDF saßen mit ihren Teams in „unseren“ Sofas und hier wurde alles, was Rang und Namen hatte, interviewt. Die Journalisten gaben sich die Klinke in die Hand.

Als Assistentin des Pressechefs „musste“ ich im Abendkleid mit dabei sein und hatte dabei auch eine tragende Rolle. Ich trug dem Roger Moore, der als Zigarren-Kettenraucher bekannt war, den ganzen Abend sein edles Kistl mit Montecristo No.3 nach. Man sagte mir, ich dürfe maximal eine Armlänge entfernt von ihm sein, damit er nur seine Hand auszustrecken braucht. Nie wieder war ich gegenüber einem Weltstar so nachtragend.

007 sah mit seinem vornehmen britischen Teint neben dem glutäugigen Omar Sharif wenig aufregend aus. Allerdings hatte der Sharif ganz staubige Schuhe, aber er kam ja auch direkt aus Ägypten, aus der Wüste - und ich hatte keine Zeit zum Putzen, ich musste ja das Kleid von Sydne Rome bügeln.

Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich immer zu dezent war, mich mit ins Bild zu drängen, mir kam das blöd vor, daher gibt’s solche Fotos auch nicht. Aber ich sitze links - eine Armlänge zu links - und hab ihm gerade eine neue Zigarre gereicht….

Übrigens: My name is Moser, Margret Moser.

© Margret Moser 2019-08-22

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