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#sprache

Nuworischi

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Nuworischi | story.one

Heute einmal was für mit ohne Mundschutz. Nuworischi - Lehnwort aus dem Französischen, ins Russische gelehnt. Die Franzosen unter euch werden jetzt vielleicht schon eine Idee haben. Nuwo, nouveaux, rischi, riches.. genau, die Neureichen!

Sowas find ich schön. Ich les grad einen russischen Krimi. Die Idee hatte ich vor mittlerweile 15 Jahren. Zuerst wollte ich weiterstudieren, dort, wo ich vor über 30 Jahren aufgehört hatte. Da hätte ich aber auch Vorlesungen über Geschichte, Geographie, Jus etc. besuchen müssen. Ich wollte aber nur quatschen, quatschen, quatschen.

Da kam mir eine Buchkritik in die Hände. Moskauer Bestsellerautorin, Millionenauflagen, auch ins Deutsche übersetzt. Polina Daschkowa. Ihre Bücher ließ ich mir von Freunden schicken oder mitbringen. Im Austausch gegen Nerzmäntel. Ich hab in letzter Zeit mehrere von alten Damen geerbt und exportiere sie derzeit hauptsächlich in den Raum Wolgograd.

Mit den Krimis erarbeitete ich mir Satz für Satz, Absáz für Absáz, Seite für Seite, Kapitel für Kapitel. Anfangs sehr mühsam, mittlerweile fast schon reines Vergnügen. Interessante Beobachtung: Mir kommt vor, ich lese schwarz-weiß. Ich krieg zwar vieles mit, aber sehr oft nicht die Nuancen, Stimmungen, Brutalitäten, Herzlichkeiten, Gerüche, Gefühle in ihrer Tiefe. Daher lese ich, wegen der Originalfarbe, auch die Kapitel, die ich verstanden habe, im Nachhinein noch einmal in beiden Welten.

Im Studium waren wir immer wieder mit dem Phänomen konfrontiert, dass Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind – und von uns glühend beneidet wurden – manche Feinheiten einfach nicht verstehen, fühlen konnten, in beiden Sprachen. Das ist eine Unschärfe, die man auch niemals ganz in den Griff bekommen kann.

Man kann also nicht gleichzeitig zwei vollkommen gleichberechtigte Muttersprachen haben. Wie man auch nicht wirklich mit einem A... Popo auf zwei Hochzeiten tanzen kann. Und auch nicht in zwei Ländern gleichzeitig leben. Daher ist gute Übersetzung, gar literarische, etwas, das ich ungeheuer bewundere. Eine eigene schöpferische Tätigkeit auf höchstem Niveau. Es gibt dafür ja auch Gott sei Dank schon Preise für Höchstleistungen auf diesem Gebiet.

Angefangen hab ich mit einem Lehnwort. Aufhören möcht ich auch mit diesem Thema, aber praktisch. Ich glaube, ihr werdet das mögen und das eine oder andere Wort in euren Wortschatz aufnehmen. Es gibt viele im Russischen - betont werden sie meist auf der vor- oder letzten Silbe. Los geht's nach dem Alfawít:

Absáz Bruderscháft Buchgálter Bjustgálter (g statt h) Burgomístr Buterbród Djúbel (Dübel) Galstúk (Krawatte) Gipsakartón Jamárka (Jahrmarkt) Jefréjtor (Gefreiter) Kitch Landscháft Lejtmotív Kurórt Kwartíra (Wohnung) Mundschtúk Plazkárt Parikmácher (Friseur) Poltergéist Rjuksák Schljagbáum Schpión Schtatív Schtémpel Schpagát Schtépsel, Schtóry (Vorhänge) Schtraf (Geldbuße) Traur Wunderkínd Zejtnót Ziferblát.

Do vstrétschi! Bis znaxt!

© Margret Moser 2020-03-22

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