skip to main content

#kultur#abenteuer#humor

Opa im Steinbruch

  • 150
Opa im Steinbruch | story.one

Ich weiß noch keine Geschichte dazu, aber das Plakat ist natürlich eine Steilvorlage für einen Titel. Oper im Steinbruch. Gestern, "Die Zauberflöte" in St. Margarethen. Und ich mit "meinem Opa" dabei. Die Geschichte dazu wird mir beim Schreiben bestimmt einfallen.

Vorigen Herbst am Gardasee hab ich ihm, meiner flüchtigen Paddelbekanntschaft, ein blütenweißes, wunderschönes Hemd gekauft, Leinen. Als ich den Verkäufer fragte, so eine Art Marcello Mastroianni für Arme, ob er auch Hemden mit kurzen Ärmeln führe (Konjunktiv), hat er mich ganz pikiert angeschaut, fast angeekelt. Gott sei Dank hab ich nicht nach kurzen Hosen gefragt! Ich glaube, er hätte die Polizei geholt und mich abführen lassen.

Aber ich verstehe da die Italiener. Manchmal wünsche ich mir, meiner wär auch a bissl mehr Itaka. Geschmacksmäßig. Dann bin ich aber auch wieder froh, dass er kein Lackaffe ist. Er ist nämlich eh schon so scheen genug. Würde mich nur noch mehr unter Druck setzen. Er ist nämlich auch noch 5 Jahre jünger. Zwischen Juli und September sind es nur 4 Jahre. Ja, da müßt's jetzt a bissl überlegen!

Ihm ist es völlig wurscht, was er anhat und wie er damit ausschaut. Ich hingegen gehe nicht einmal aufs Klo, wenn ich nicht farblich zusammenpasse. Daraus ergibt sich einiges an Konfliktpotenzial. Ab und zu schmuggle ich ihm dann etwas in den Kasten und hoffe - vergeblich -, dass er es irgendwann einmal anzieht, freiwillig. Das gute, teure Stück sehe ich normalerweise nie wieder oder muss es, nach Jahren, aus einem Caritas-Sack retten.

Da braucht man sich nicht zu wundern, dass ich manchmal Gewalt anwende. Erschwerend kommt noch hinzu, dass er farbenblind ist. Welche Kirschen? Fragt er zum Beispiel, wenn ich in den mit Millionen Früchten behangenen Baum vor unserem Fenster zeige. Oder Mohnblumen, neben der Autobahn nach Wien.

Für die "Zauberflöte" mit Opa im Steinbruch hab ich jetzt das weiße Marcello-Mastroianni- Gardasee-Hemd eingeschleust in unseren Campinganhänger. Er hat sehr fesch ausgeschaut damit. Und was ziehst drüber an? Wie manst des? Ja drüber halt, es wird kalt später. Des dauert bis Mitternacht. Aso ja, ja die greane Jack'n!

DIE GREANE JACK'N??? Die in grellem Neon? Ich war fassungslos. Mit der macht er ALLES, inklusive zum Sturzplatz fahren. Seit vielen Jahren. Die Zeit lief mir davon. Was hast denn sonst noch mit? Nix! Wie, nix?

Da fiel ihm ein: Ah ja, die "Special Olympics" hätt i no im Auto. Er ist jedes Jahr Helfer bei irgendsoeinem Event, wo man nix kriegt außer einem Anorak in unmöglichen Farben. Zag her! Er holt die Jacke - und ich atme erleichtert auf: Wenigstens ist die türkis. Und passt damit farblich zu meiner 3 Euro 99-Kik-Kuscheldecke. Der Abend war gerettet - und die erste Halbzeit war auch alles in türkis mit blau und grün, sogar die Königin der Nacht. Ma, war i froh!

Nächstes Jahr muss ich schauen, was die bei "Turandot" für ein Farbkonzept haben, damit ich rechtzeitig ein passendes Jacket in den Campinganhänger schmuggeln kann.

© Margret Moser 2019-08-17

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um Margret Moser einen Kommentar zu hinterlassen.