OWIR - Vsjo budjet chorosho!

Auch heutzutage braucht man eine Einladung, wenn man privat nach Russland reist und nicht mit einer Reisegesellschaft.

2003 sitze ich in Wien in einem Café. Am Nachbartisch redet ein Mann mit deutlichem Kärntner Akzent ständig von Moskau. Ein Villacher, Mitarbeiter eines bekannten Baumeisters, der in Moskau viel „herumbaut“, an ziemlich weltberühmten Gebäuden. Ich frage, ob er mir helfen kann, zu einer „Privatmietwohnung“ zu kommen. Er sagt: Ka Problem!

Nach mehreren Monaten Kontakt mit ihm und vielen „Ka Problem“en, die ich in eine eigene Geschichte verpacken werde, reise ich endlich an einem Oktober-Freitag an, mit "eigener" kleiner Wohnung am Proletarskij Prospekt. Am Samstag, beim Erstkontakt mit dem Roten Platz, verkühle ich mich und bleibe Sonntag im Bett, mit Wörterbuch und Reiseführer "Marco Polo".

Ich hatte schon „läuten gehört“ von einer „Registrazija“ innerhalb von 3 Tagen, zusätzlich zum Visum, und frage Kurt, einen Mann aus Leipzsch (DDR, Leipzig), was es damit auf sich habe. Er meint: Glaub nischt, dass de det brauchst.

Am Montag ruft er an: Doch, du brauchst. Aber es ist bereits der 4. Tag, und ich habe schon mein erstes Gesetz übertreten. Dass Wochenende war und ich krank, das ist dem OWIR, der Registrazija-Behörde, wurscht. Kolbasa.

Kurt, der Leipzischar, meint: Gib mir deinen Pass und ein Kuvert mit 200.- Dollar, ich mach das für dich. Ich frage: Kostet das sooo viel ? Das weiß ich nicht, wie viel das kostet, die 200.- sind nur „Blat“, d.h. Bestechungsgeld. Die Gebühr kommt noch extra.

Ich schaue etwas verwundert, aber der langgediente Ostagent meint nur: Ja, was glaubst DU denn, wovon die vielen Ex-KGB-Agenten leben sollen…?

Heutzutage kann man das Ex wieder weglassen und sie stehen wieder ganz gut im Sold, glaub ich. Aber damals, 2003, war Tauwetter und viele anscheinend tatsächlich arbeitslos. Da hat man dann ja auch das eine oder andere „Verständnis für“….

Übrigens war der Pass dann weg, bis zum allerletzten Abend. Um 21h trank ich mit Georgina, der russischen Lebensgefährtin von Kurt, das vorletzte Glas Schampanskoje. Sie hatte mir ihre Wohnung geliehen, inklusive aller möglichen Nivea-Produkte im Bad. Und anlässlich des letzten Glases erhielt ich auch meinen Pass zurück. Um 6h früh am nächsten Tag musste ich zum Flughafen. Die Fahrt mit Chauffeur (!) zum Flughafen Sheremetjevo II dauerte an die 2 Stunden.

Ich sprach wenig mit dem sehr netten Herrn, es war zu früh für mich für Gespräche, vor allem auf Russisch. Aber ein Satz blieb mir in Erinnerung. Er fragte mich, was ich von Wodka halte. Ich sagte, dass ich ihn eigentlich nicht besonders mag. Warum? Haben Sie Angst zu verlieren die Kontrolle?

Es waren sehr spannende Wochen und oft musste ich mich selbst trösten mit dem in Russland ständig zu hörenden Satz: Vsjo budjet choroscho! Alles wird gut!

Das am meisten verwendete Wort, meiner persönlichen Statistik nach: Kaschmár. Albtraum!

Ich hoffe, ich werde jetzt nicht irgendwo „registriert“….

© Margret Moser