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#familie#reisen#abenteuer

Mein Samburu Papai

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Mein Samburu Papai | story.one

Mein Interesse an Nomadenvölkern weckte mein Geographieprofessor. Tuareg, Maasai, die unglaublichen Farben vor kargem Hintergrund, das waren die ersten Eindrücke. Die Sehnsucht war geweckt, im Erwachsenenalter konnte ich sie dann auch stillen. Auf dem Weg in die Pension half mir mein Chef, der mir mit 50 einen Arschtritt versetzte und damit kostbare Lebenszeit schenkte. Ich danke ihm oft, meinem "Piepsi", mittlerweile ist er „im Himmel“.

Wenn man intensiv träumt, erfüllen sich Träume manchmal. Zuerst purzelte mir eine „Maasai Walking Safari“ in Form eines e-mails ins Haus. Dann zwei Ärztinnen aus Wien – und schließlich eine echte Samburu, in Graz, Chiala Africa heißt das Fest.

Ich war im Weggehen, schaute noch einmal zurück, um die Stimmung in mich aufzunehmen – und sah eine bunte Kette hüpfen. Nix wie hin, e-mail Adressen ausgetauscht. Ein halbes Jahr später war ich mit ihr und ihren zwei Babies, 3 und 1 Jahr, ein entzückender Mix aus Tirol und Samburu, "Timburus", unterwegs zu ihrer Familie in Kenia.

9 Stunden Autofahrt von Nairobi, dort wo außer Wiesen, ein paar Bäumen und Bergen nichts mehr ist. Tiere natürlich. Es war – ich hatte Glück – ein zartgrünes Paradies, was ich ihrem Papai (Koseform von Papa) auch gleich sagte. Er ließ meine Hand lange nicht los und zeigte mir die Bullen, die er für seine 4 Söhne zur Opferung für den nächsten Tag vorgesehen hatte. Er hat mich sehr beeindruckt. Vorsitzender der Samburu Elders for Peace. Er hat 3 Frauen und 24 Kinder. Alle Frauen wohnen mit ihren jeweils 8 Kindern in einem Umkreis von einigen Dutzend Kilometern. Der alte Chief reist von einer Manyatta zur anderen.

Papai, seinen richtigen Namen kenne ich gar nicht, ist einer der wenigen im Umkreis von hunderten Kilometern, die einen uralten Range Rover, an dem wirklich alles klappert, sein eigen nennt. Einer der Brüder hat ein „Boda Boda“, Motorrad. Beide sind ständig im Einsatz, einkaufen, Tier- und Krankentransporte. In Papai’s Fall auch Konferenzen, Friedenskonferenzen.

Die Stämme kämpfen auch untereinander um Land und Einfluss, land grabbing, Landraub (der Regierung), ist ein großes Problem. Die Chinesen bauen Straßen in die entlegensten Winkel und „die Zivilisation“ rückt den Samburu, eng verwandt mit den Maasai (von Maa, der gemeinsamen Sprache) auf den „Pelz“.

Papai hat an die 1200 Schafe und Ziegen, sie zählen als eine Art vom Wert gesehen, und 250 Rinder. Nicht selten sterben Hunderte von ihnen wegen Dürre. Wie derzeit. Dann steigen Menschen auf die Bäume, um Blätter für die Tiere zu pflücken, und fallen dabei auch gelegentlich herunter. Wie die Schwester meiner Freundin vor einigen Wochen. Und Papai oder der Boda Boda Uncle müssen wieder ausrücken.

Zum Abschied schenkte Papai mir seinen Stab. Seine ca. 35-jährige Tochter hat ihn nie ohne den Stab gesehen. Ich gab ihm meinen Hut. Es war sehr berührend. Der Stab wird eines Tages zurückwandern zu einem seiner „Timburu“-Enkel, wenn ich meine letzte große Reise antrete.

© Margret Moser 2019-07-26

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