Palmsonntags Schutzengel-Suppe

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Palmsonntags
 Schutzengel-Suppe | story.one

Eigentlich bin ich ja skeptisch, was Esoterik angeht, die böse natürlich nur. Denn: The evil is always and everywhere. Aber ich glaub auch das Gute. Manchmal halt a bissl versteckt. So wie mein Sonnentor-Adventangebot 24, das ich für die gestrige Geschichte entstaubt habe.

Dabei ist mir diese Schutzengel Gewürzmischung untergekommen. Sie war schon offen, ich denke seit den späten 1990ern. Ja, fragt‘s nur meine Schwiegertochter, die ist immer entsetzt. Wenn sie uns besucht, hat sie ihre eigene Verpflegung mit, zur Sicherheit. Wenn nicht, fällt sie gleich über meine Vorräte her. Alles wird nach Ablaufdatum und Jahren sortiert. Wenn sie geht, lässt sie mich zurück mit gähnend leeren Regalen. I nimm des glei mit, Margret, und entsorg's für di. Sie hat Angst - zu Recht - wenn sie es da lässt, räum ich es wieder ein.

Dem Schutzengel-Mix aber habe ich heute den Garaus gemacht. Vorher habe ich mir noch einen Überblick über die Zutaten verschafft: Karotten, Koriander, Ingwer, Krauseminze, Knoblauch, Kornblumen, Orangenschalen, Pfeffer schwarz, Kristallsalz, Rübenzucker, Kreuzkümmel, Kurkuma, Bockshornklee, Salbei, Senfkörner gelb, Fenchel, Paprika edelsüß, Meersalz, Lorberblätter, Rosmarin, Thymian… alles aus kontrolliert biologischem Anbau. Kein Wunder, dass das Zeugs alles gleich schmeckt. Sie drehen einfach nur die Reihenfolge um und taufen das Gemisch dann um in "Ja, dich lieb ich auch"-Tee oder "Ze fix Hallelujah"-Gewürz.

Das gesamte pulverige Schutzengel-Arrangement habe ich Verwegene in die Suppe gekippt. Dazu das Mini-Flaschl Weißweincuvée aus Rust, das wir voriges Jahr anlässlich der „Zauberflöte“ in St. Margarethen (siehe Story „Opa im Steinbruch“) erworben haben. Es gab diese Flaschln mit den Sternzeichen bei einem ganz alten Souvenirhändler, den sie vor Jahren aus dem Steinbruch vertrieben haben, weil sein Souvenirstand größer war als die riesige Bühne. Er hat uns seine traurige Geschichte erzählt. Mitten in Rust hat er jetzt einen neuen Standort in einem Biedermeierhäuschen. Da wurde ich wieder einmal schwach. Ich muss auf Reisen immer die Region stärken, und wenn das dann auch noch mit Sternzeichen verbunden ist, umso besser.

Ich kaufte also ein Flaschl Jungfrau und ein Flaschl Krebs. Der Krebs hat sich schon lange im Rückwärtsgang ver“flüchtigt“. Auf der Jungfrau seh ich grad den Abfüller Leo Hillinger, Jois. Ma, der gfallt ma eh so guat! Noch besser. So, und mit dem und a bissl Tiefkühlgemüse hab i jetzt die Schutzengel-Suppe erfunden. Das läuft unter Abenteuer-Küche mit leicht religiösen und geistigen, aber vor allem regionalen und bio-nen Zutaten.

Zum Abschluss noch ein Tipp, gleichzeitig Geständnis – aber bitte, Haubenköche und Bluthochdruckler: Augen zu! Ich (schreib jetzt ganz leise) nehm zum Würzen immer NUR SALZ! Nicht einmal Pfeffer. Auch keine Kokosnussmilch. Und es schmeckt alles ausgezeichnet. Das sage nicht nur ich. Ehrenwort.

Jetzt könnt‘s die Augen wieder aufmachen.

© Margret Moser 05.04.2020