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#dialekt#kärnten

Sprache und so....

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Sprache und so.... | story.one

Sehr verehrte Gender- und Genderinnen! Zeit is wurn, hearst, dass ma mir a pericksichtigt wern pei die Werta und pei die Sätze! Hinten. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das eine Geschichte über die Vielgenderei wird oder ein Exkurs in die Kärntner Sprache. Na ja, werma schon segn, wos do wieda ausakimp!

Thema weiches b. Das ist ganz einfach. Das giptes nicht! Ich konnte es lange selber nicht glauben. In München wurde ich immer nachgeäfft, wusste nicht wieso. Als ich dann heimkam, hörte ich es auch. Baba gibt’s nicht. Es heißt Papa, Papa. Die Baba lebt viel östlicher.

Somit heißt es also pericksichtign und nicht berücksichtigen. Päricke und nicht Perücke. Aber das ist ja gar kein weiches b, werden Sie nun einwerfen. Tja, das ist ein Totschlagargument, dagegen bin ich machtlos. Passenderes Beispiel: Nehmen Sie das Wort bügeln. Mutti sagte: Host wos 4 mi zen piegln?

Man sagt ja, dass in Kärnten – und natürlich nicht nur dort – jedes Tal seinen eigenen Dialekt hat. In Döbriach war das noch viel extremer. Bei uns verlief die Sprachgrenze direkt entlang unseres Liguster-Zaunes. Hüben die Muttl, drüben die Nachbarin Frau O., die Lautverschiebung von ie zu ej ist auch sprachlich kein wirklich großer Schritt. Bei Frau O. mutierte das piegln zum pejgln.

Noch eine Besonderheit. Bestimmt hat das sprachwissenschaftlich auch einen Namen. Es gibt weniger Singulare bei uns. Zum Beispiel gibt es keinen Apfel sondern nur an oder mehrere Äpfl. A Perickn. A Birn, zwa Birn. Drei Pier, pitte! Ein periehmtes Wurt eines periehmten Politikers, aber he, der is ja gor ka Karntner! Follt ma krod auf. Krod. Gerade. Olles a bissl vahärtet pei uns. Vur olln pei die Konsonantn.

Das O wurde des öfteren zu U. Papa und Opa haben uns pei die Uhrwaschln dawischt, die Uhrn aufgezoogn. Noachant seintse wieda richtig gongan.

Dialekte sind mir ein Anliegen. Könnte sein, dass ich euch jetzt des öfteren mit so etwas konfrontieren werde. Wenn ich im Bus sitze und Gymnasiaten (Freud!), Gymnasiasten natürlich und Gymnasiatinnen (schon wieder), Gym-na-si-as-tin-nen zuhöre, werde ich ganz traurig, trurig auf Vorarlbergerisch. Alle klingen gleich fad und hochdeutsch und a bissl versnobt, kimp ma holt vir. Ich liebe es, wenn ich aus Basel höre: Ich hab schon en ganz dicke Buch. Und ich weiß, dass die Lioba jetzt nicht liest sondern schwanger ist, wenn sie das sagt. Entzückende Lautverschiebung.

Vor Jahren war ich beim „Ingeborg Bachmann“-Lesewettbewerb in Klagenfurt. Die Freundin einer Freundin ist Buchhändlerin in Hamburg, sie schwindelte mich hinein in die Pressekonferenz und abends zur Gala in dieses SeeSchlösschen. Die Festrede hielt der Bürgermeister und eröffnete mit einem Dank an einen Verein: Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen!

Ich schreibe hier ja unter Eid. Ja, er war jung, er war blau, aber doch auch wieder nicht so blau, dass man dabei an Alkohol hätte denken müssen. Auf jeden Fall war ich sehr froh, dass Ingeborg Bachmann an dem Empfang nicht teilnehmen konnte.

© Margret Moser 2019-11-01

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